RADFAHRER SIND KEINE LATERNEN

AN TAGEN WIE DIESEN…

DEZEMBER 2017

 

Früher lag an den Tagen nach Weihnachten noch überall der Schnee auf den Straßen. Seit einigen Jahren hat sich das allerdings etwas geändert und alle Wege sind aper, also schneefrei. Somit nutze ich die Gelegenheit für eine kurze Ausfahrt mit dem Rennrad. Die neue Radjacke will ja schließlich ausgeführt werden.

Es ist sehr ruhig auf den Straßen, angenehm wenig Verkehr, nur hin und wieder werde ich von einem Auto überholt. Die ersten Kilometer sind nur zum Einrollen gedacht. Ich radle locker durch den kleinen Ort Pöttsching. Ein leichter Wind frischt auf, aber ich bin gut eingepackt. Dann geht es einen längeren Anstieg hinauf und ich muss mir doch eingestehen, dass es mir schon mal leichter gefallen ist, hier mit dem Rad hinauf zu fahren. Die gefürchteten Weihnachtskekse machen sich wieder bemerkbar. Alle Jahre wieder.

„Plötzlich höre ich hinter mir, wie sich ein PS-starkes Auto mit hoher Geschwindigkeit nähert.“

Oben angekommen versuche ich erst mal wieder durchzuatmen und den Puls zu beruhigen. Die Trittfrequenz bleibt gleich, allerdings liegt nun eine lange Gerade vor mir. Ich rolle wieder gemütlich dahin. Plötzlich höre ich hinter mir, wie sich ein PS-starkes Auto mit hoher Geschwindigkeit nähert. Dieses Teilstück lädt viele Autofahrer zu einer rasanten Fahrt ein. Ich fahre relativ weit rechts, beinahe am weißen Begrenzungsstreifen. Und der SUV rast so knapp an mir vorbei, dass ich beinahe auf das angrenzende Bankett ausgewichen wäre. Ich bin mir sicher, es hätte nicht viel gefehlt, und das Auto hätte mich gestreift.

„Auf den Landstraßen ist der ideale Abstand ein Meter plus ein Zentimeter pro Geschwindigkeit.“

Gerade vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit einem Freund über das Thema. Und wir kamen zu dem Ergebnis, die Autolenker behandeln Radfahrer oft wie ein Laternenmast, an dem man vorbei fährt. In Salzburg zählte die Polizei im vorigen Jahr 830 Radunfälle. Und 60 Unfälle passierten nur, weil ein Auto einen Radfahrer streifte. Selbst wenn es nicht zum Kontakt kommt, ist ein zu enges Vorbeifahren riskant. Gerade bei so hoher Geschwindigkeit. Auf den Landstraßen ist der ideale Abstand ein Meter plus ein Zentimeter pro Geschwindigkeit. Der Mindestabstand von 1,5 Meter sollte jedoch nicht unterschritten werden. In der Regel ist dazu sogar ein vollständiger Spurwechsel notwendig.

Ich erhole mich schnell von dem Schreck, der Ärger hält sich allerdings etwas länger. Zur Ehrenrettung der Autofahrer möchte ich aber erwähnen, dass der Großteil sehr diszipliniert überholt. Und die Aussicht auf ein Vanillekipferl nach der kurzen Trainingseinheit lässt meine Missstimmung endgültig verfliegen.