EISCAFÉ „CAORLE“

AN TAGEN WIE DIESEN…

JULI 2017

 

Die Verlockungen lauern überall. Ich kann gar nicht vorsichtig genug sein. Nur ein kurzes Zögern wird bereits als Zustimmung gedeutet und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Gestern hat der Familienrat getagt und dabei beschlossen, dass wir uns an diesem heißen Tag ein Eis gönnen. Wie gesagt, nur ein sekundenlanges Zögern, eine kleine Unsicherheit, wenn das entschiedene „Nein!“ nicht sofort ausgesprochen wird und schon werden von unserem jüngsten Familienmitglied die möglichen Sorten aufgezählt: „Ich mag ein Schoko und ein Vanilleeis und vielleicht noch ein Haselnuss!“

Das ist auch der Grund, weshalb ich jetzt vor dem Eiscafé „Caorle“ in der Warteschlange stehe. Noch könnte ich aus der Reihe austreten und umkehren. Mindestens ein Dutzend andere Eisliebhaber befinden sich noch zwischen der Diele mit den vielen, schweren Kalorien und mir. Ich habe also noch etwas „Bedenkzeit“, aber ein Blick auf meine Begleiterin verrät mir, den Gedanken kann ich so schnell wieder vergessen, wie er sich mit meinem schlechten Gewissen entwickelt hat.

„Na, gut, maximal eine Kugel.“ lautet das Agreement mit mir selber.

Weil gestern war ja auch der Grillnachmittag. Und da hat es mir auch ordentlich geschmeckt. Verlockung und so. Nach zwei Kotelett mit etwas Currysauce, Salat und zwei Salzstangerl war dann aber Schluss. „Einmal Pute haben wir noch, wer mag es?“ Und wie durch Zauberei geht meine Hand hoch und ich sage automatisch „Na gut, bevor es kalt wird.“  Und schon liegt wieder ein drei mal fünf Zentimeter großes, feinfasriges Schnitzel auf meinem Teller. Dazu noch eine rote Sauce und den restlichen Salat.

Deshalb das schlechte Gewissen vor den rund zwanzig verschiedenfärbigen Eissorten, die mir jetzt sinnbildlich alle zuzwinkern.

„Und schon sehe ich wie sich der riesige Löffel in die Eismasse vergräbt und eine Riesenkugel auf das Stanitzel pappt.“

Ein „Ja bitte“ reist mich nun aus meinen Gedankengängen und da merke ich erst, dass wir nun an der Reihe sind. „Zweimal Schoko-Vanille und einmal Marille-Pistazie“ kommt es mir ohne groß Nachzudenken über die Lippen. Und schon sehe ich wie sich der riesige Löffel in die Eismasse vergräbt und eine Riesenkugel auf das Stanitzel pappt. Dieser Vorgang wiederholt sich noch fünfmal und dann habe ich die Kalorienbomben in den Händen.

„Das ist mein letztes Eis für lange Zeit.“ Diesen Entschluss fasse ich als gerade ein flüssiger Schokotraum den Gaumen hinunterfließt und meinem Hirn über die Nervenbahnen ein „Yeah, ist das lecker.“ mitteilt.

Ungefähr so wie bei dem Spiel mit Teuferl und Engerl auf den beiden Schultern. Wer von beiden sich dann im Endeffekt durchsetzt – darauf bin ich schon selber neugierig.