LA BRASSBANDA

BAYRISCHE LEIDENSCHAFT LIVE ON STAGE

12.08.2017

 

Es war eine wahre Klangexplosion, was die Zuschauer direkt neben dem römisch-katholischen Mariä-Empfängnis-Dom in Linz erlebten. La Brassbanda, die bayrische Band, spielten gestern Abend im Rahmen der Konzertreihe „Klassik am Dom“ mitten in der oberösterreichischen Landeshauptstadt, wie sie während ihres Konzertes häufig betonten. Und sie vergasen auch nicht, sich gleich dabei zu bedanken: „Sogts amoi: Danke Linz!“

„Mit einer selten erlebten Leidenschaft legten die sieben Vollblut-Musiker aus dem bayrischen Chiemgau los“

Zur Eröffnung gab es das Instrumental-Stück „La Brassbanda“ und dabei konnte man schon erahnen, was uns an diesem Abend noch erwarten sollte. Mit einer selten erlebten Leidenschaft auf einer Konzertbühne legten die sieben Vollblut-Musiker aus dem bayrischen Chiemgau los.

 

 

Stefan Dettl, der Mastermind und Sänger erzählte bei der Begrüßung von seiner Linzer Studienzeit. Es hatten ja beinahe alle Bandmitglieder an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz studiert und die Aufzählung einiger Szene-Lokale unterstrich zum Gaudium des Publikums die soziale Nähe zu Oberösterreich und Linz: „Oberesterreich und Bayern san jo Nochbarn.“

Mit „Ujemamma“ startete dann die rund zweistündige Mitsing- und Mittanz-Performance am Linzer Domplatz. Verschiedene Anekdoten und lustige Begebenheiten würzten die kurzweilige Show aus Bayrischen Gypsy und Funk Brass. Eine Geschichte vom Roskilde-Festival in Dänemark etwa, diente als Einstimmung für den Drum & Bass Alpen Jazz Techno. „Die Dänen verstengan koa Wort Boarisch, jetzt haumas mit an Techno probiert.“ ergänzte der Bandleader.

Die Vorstellung des Schlagzeugers aus den Niederlanden und des Bassisten aus Ried im Innkreis wurde danach mit einer dreiminütigen „Yoga-Übung“ inklusive Mitmach-Aufforderung für das Publikum, vorgestellt. „De zwoa san sinst oiwei nur im Hintergrund.“ Selbstredend, dass danach das Stück „Holland“ folgte und wir durften mit den Händen dabei mitradeln.

„Alarm“ eine absolute Mitsing-Nummer lies dann endgültig keinen Zweifel mehr, dass es eines der emotionalsten, schönsten und lustigsten Konzerte werden würde.

„Die Musiker zogen ihre Knie in die Höhe, die jedem Leichtathleten eine wahre Freude wären“

Als persönlicher Höhepunkt folgte die Publikums-Choreografie zu den Dub- und Reagge-Ryhtmen unter bewölkten, aber trockenem Himmel. Dabei wandte sich das ganze Publikum geschlossen („wei sunst funktionierts ned!“) nach links, ging dann acht Schritte nach vor und wieder zurück. Das ganze wiederholte sich nochmal, danach drehten sich alle um hundertachtzig Grad, um wieder zweimal acht Schritte vor und zurück zu gehen. Dabei war natürlich absolute Konzentration angebracht. Aber es klappte! Und jeder stand wieder an seinem Ausgangspunkt – oder ungefähr. Deswegen gab es danach die „absolute Ekstase“ wie der Sänger die merkliche Tempoverschärfung einleitete.

Das führte natürlich zu einem weiterer Höhepunkt.  „Kennts ihr des brutalste Liadl, des gibt“: Autobahn. Dabei zogen die barfüßigen Musiker ihre Knie in die Höhe, die jedem Leichtathleten eine wahre Freude wären. „Mitmachen“ war natürlich wieder das Stichwort. Überhaupt habe ich während des Konzertes nebenbei eine zweistündige gefühlte Fitnesseinheit absolviert.

Gegen 22:00 Uhr kam das erste Mal die Ankündigung, dass das letzte Lied des Abends bald kommen wird. „Des mit Zugabe, des spoarn mir uns jetzt olle. Wir spuin liaba a poar Stickl mehra.“ Fünfzehn Minuten später war mit „Nackert“ dann endlich auch der größte Hit angestimmt und kurz vor halb elf Uhr war klar, dass die Blasmusiker die beiden letzten Stücke des Abends anstimmen. „Sogts amoi zu de Nochbarn: Danke Nochbarn, das ma so laung spuin haum derfn.“ Das Publikum wiederholte den Satz – wie alle anderen Aufforderungen an diesem Abend. Dann kam die obligatorische Verbeugung. „fois uns glei s´Liacht ohdrahn.“ Es folgten die letzten Stücke im typischen „Voigas-Sound“ und danach war es vorbei. Zu den Reggae-Rhythmen aus den Boxen im Hintergrund gab es noch mal die Gelegenheit für ein Foto von der gesamten Band bei einer Verbeugung. Ich habe es vor lauter Euphorie vergessen. Es war eine geballte Ladung zwischen Pop, Funk, Reggae, Ska und Techno kombiniert mit bayrischen Dialekt. Diese Urgewalt an Musik möchte ich gerne wieder sehen und hören.