WIEN

MARATHON PREMIERE

26.05.2002

 

Mein erster Marathon!
Meine Laufbahn als Marathonläufer beginnt jetzt!

Die Vorfreude war riesengroß und die Anspannung hielt sich zum Glück auch in Grenzen. Am Vorabend besuchten wir die Pasta-Party und schnupperten etwas von der Atmosphäre,  unterhielten uns über die perfekte Strategie und holten uns noch die aktuellsten Informationen bei der Expo. Unsere Lauffreunde erklärten  uns, eine Zeit unter vier Stunden bei der Premiere wäre schon ein Erfolg. So legte ich nun auch die Taktik für die ersten 21,1 km mit 2:00:00 fest um danach noch über genügend Reserven zu verfügen. 

Endlich war der Tag gekommen. Ich spürte das Knistern vor dem Start. Wir wünschten uns Glück und wollten nach dem Startschuss gleich loslaufen. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl, war aber natürlich an einen zügigen Start nicht zu denken, den ersten Kilometer konnte man höchstens im leichten Trab bewältigen. Die Ernüchterung war groß, als wir erkannten, dass es mindestens fünf bis sechs Kilometer andauerte, bis man das Renntempo gleichmäßig laufen konnte. Die ersten zehn Kilometer waren dann bald geschafft, das Wetter war ideal, bewölkt bei zirka fünfzehn Grad Celsius.

„Bei Kilometer 32 war die Anspannung plötzlich wieder zu spüren, ich befand mich soeben im absoluten Neuland.“

Der erste Halbmarathon war genau im Plan, bei 2:00:39 überschritt ich die Matte. Bei der nächsten Labstelle stärkte ich mich nochmals mit Getränken und Bananen und lief noch vier Kilometer mein Tempo weiter. Bei Kilometer 25 fühlte ich mich immer noch sehr locker, aber jetzt wollte ich es wissen und erhöhte etwas die Geschwindigkeit. Sofort bemerkte ich, dass mein Puls schlagartig anstieg, ich hatte aber jetzt mein optimales Tempo gefunden. Bei Kilometer 32 war die Anspannung plötzlich wieder zu spüren, ich befand mich soeben im absoluten Neuland. Noch nie zuvor war ich weiter gelaufen, noch nie zuvor spürte so ein Hoch und die Vorfreude auf den Zieleinlauf war bereits unerträglich. Es ging mir überraschend gut, Kilometer 37 war erreicht, noch gut fünf Kilometer bis zur Ziellinie, die Zuschauermenge applaudierte nun durchgehend, die Musik aus den Boxen trieb mich von diesem Zeitpunkt an vorwärts:  U2 – Where the streets have no  name!

Aber dann meldete sich meine Muskulatur und jeder Schritt wurde etwas schwerfälliger, Kilometer 40 war erreicht. Die Wahrnehmung war bereits eingeschränkt, ein Tunnelblick,  nur mehr die Ziellinie vor Augen. Nach genau 3:54:52 passierte ich die Zeitmatte bei Kilometer 42,195. Ein paar Meter danach blieb ich abrupt stehen, ich hatte es geschafft. die Endorphine fluteten meinen Körper, ich spürte jede Sehne, jeder Muskel „brannte“. Ich konnte es kaum glauben, dass ich mein Ziel erreicht hatte: „Der Schmerz vergeht der Stolz bleibt“, habe ich während des Laufs auf einer Tafel gelesen. Das konnte ich geradezu bestätigen.