WACHAU

GEFÜHLSMIX AUS GLÜCK UND ENTTÄUSCHUNG

16.09.2012

 

Es dauerte mehr als zehn Jahre bis zu meinem zweiten Marathonstart. In den vergangenen Jahren habe ich etliche Halbmarathon und andere Laufbewerbe bestritten, den zeitlichen Aufwand für ein umfangreiches Marathontraining aber immer wieder auf die lange Bank geschoben.

Erst mit meinem Freund und Laufpartner Franz Weixelbaum entschied ich mich erneut für eine Teilnahme: Beim Wachau-Marathon am 16. September 2012. Nun wurden die wöchentlichen Trainingskilometer kontinuierlich erhöht, und auch die Anzahl der Laufeinheiten steigerte sich Schritt für Schritt. Während unzähliger, langer Läufe pushten wir uns im Training um das ambitionierte Ziel von 3:30:00 zu erreichen.

Die Laufstrecke verlief von Emmersdorf zuerst kurz flussaufwärts ehe sie nach einer Wende der Donau entlang bis nach Krems führte. Pünktlich um 10:00 Uhr wurde bei angenehmen Wetter auf null heruntergezählt und der Pacemaker für meine angestrebte Endzeit im Windschatten verfolgt. Mehr als dreißig Läufer tummelten sich um den angesprochenen Pacemaker und teilweise musste man Acht geben, niemanden unabsichtlich auf die Füße zu treten. Nach etwa zehn Kilometer stiegen auch die Temperaturen und ein schöner Herbsttag kündigte sich an. Weitere zehn Kilometer später stieg die Temperatur nochmals an und ich hatte bereits Probleme das Tempo zu halten. Die Halbmarathonmarke passierte ich in einer Zeit von 1:44:07. Bei Kilometer 25 entschied ich mich die Traube um den Pacemaker ziehen zu lassen, da ich bereits einen hohen Kräfteverschleiß spürte.

„Viele Läuferinnen und Läufer überholten mich nun und ich schleppte mich mit meinen letzten Reserven der Ziellinie entgegen.“

Beim 30. Kilometer schlug der Hammermann jetzt endgültig zu und mein Tempo verlangsamte sich permanent.  Ich entschloss mich das Marathon-Renntempo um 30 Sekunden zu drosseln, da ich diesen Lauf unbedingt finishen wollte. Viele Läuferinnen und Läufer überholten mich nun und ich schleppte mich mit meinen letzten Reserven der Ziellinie entgegen. An einer der letzten Labstellen beim 38. Kilometer gestand ich den Helfern „Ich kann nicht mehr“, sie feuerten mich aber dann nochmal lautstark an: „Es ist nimmer weit, gleich bist du im Ziel“. Aber der Hammermann war nicht abzuschütteln. Laut Zeitmessung bewältigte ich die letzten zehn Kilometer in 0:55:05. Beim 41. Kilometer sah ich dann meine Familie und Freunde und so sammelte ich die letzten Körnchen für einen „Zielsprint“. Nach 3:48:02 überquerte ich endlich die Ziellinie. Ein Gefühlsmix aus Enttäuschung und Glück überkam mich: Enttäuschung: ich habe meine angestrebte Vorgabe um achtzehn Minuten überschritten. Glück: dass ich doch nicht aufgegeben, sondern gebissen und gekämpft habe.

Auch hier hielt ein Zuschauer die Tafel hoch: Der Schmerz vergeht, …diesmal hat er sich aber besonders lange Zeit gelassen!