SALZBURG

DRITTER RANG BEI MARATHON-LANDESMEISTERSCHAFT

01.05.2016

 

Die Festung Hohensalzburg, Jedermann, Getreidegasse, Mönchsberg, Felsenreitschule, Hellbrunn, Nieselregen… das alles kennt man von Salzburg. Und da gibt es auch noch die jährliche Laufveranstaltung mit dem Marathon. Am 1. Mai war bereits die 13. Auflage. Und ich habe mich dafür angemeldet und trainiert.

In der Startaufstellung reihte ich mich am Rudolfskai etwas weiter hinten ein, obwohl die Teilnehmer der Staatsmeisterschaften – für die ich auch gemeldet war – ganz vorne vorgesehen waren. Denn beim Aufwärmen merkte ich schon, dass ich noch einige Defizite abbauen muss, und ein Tempo wie letztes Jahr in Linz sicher nicht möglich ist. Für einen „Risikolauf“, welchen ich ja kurzfristig auch in Betracht gezogen hatte, war der Trainingsrückstand dann doch zu groß.

„Ja, es sollte eine Lehrstunde des Marathonlaufs für mich werden.“

Das Wetter war sehr lauffreundlich. Die Temperatur war angenehm kühl und der Wind hielt sich soweit in Grenzen. Der erste Kilometer – man ahnt es bereits – war natürlich wieder viel zu schnell. 4:05. Sofort versuchte ich langsamer zu laufen, 4:16, 4:17, 4:23, 4:22 waren die Durchgangszeiten der nächsten Kilometer. Trotzdem ich es auch besser wissen müsste, dass man am Anfang der 42 Kilometer ganz locker beginnen sollte, war ich dann doch etwas zu schnell unterwegs. Ich bewegte mich wahrscheinlich schon ganz, ganz knapp unter meiner Laktat-Schwelle. Oder doch darüber? Ich ahnte schon, dass ich das Tempo vermutlich auf keinen Fall durchhalten kann, doch die Versuchung war so groß, am Ende eine gute Zeit zu erreichen. Ja, es sollte wieder eine Lehrstunde des Marathonlaufs für mich werden.

„Wenig später hörte ich meinen Bruder am Streckenrand anfeuern: Super unterwegs! Ich fühlte mich auch wieder so.“

„Du darfst nicht zu schnell laufen, du darfst nicht zu schnell laufen.“  erinnerte ich mich immer wieder. Und in der Berchtesgadener Straße, etwa bei Kilometer acht, war es dann soweit. Bernie Kriechhammer, der Tempomacher für die 3-Stunden-Läufer schloß mit vielen anderen Läufern, welche sich an sein Tempo orientierten, auf unsere Gruppe, der ich mich anschloß, auf. Leichtsinnigerweise lief ich etwa einen Kilometer lang mit. Es war mein Zweitschnellster: 4:07. Ich merkte allerdings, wie ich mich immer mehr überbelastete. Ich begann nun stark zu schwitzen, und die Atmung wurde immer kürzer. Ein klares Zeichen. Ich ließ den großen Pulk vorüberziehen und reihte mich noch einige hundert Meter hinten ein. Dann verlangsamte ich kontinuierlich das Tempo auf 4:25. Es war eine Wohltat. Ich erholte mich wieder und die vorherige Gruppe schloß zu mir auf. „Das hatte ich jetzt nötig. Wäre ich gleichmäßig mit den Anderen gelaufen, hätte ich weniger Substanz verloren.“ waren meine Gedanken. Wenig später hörte ich meinen Bruder am Streckenrand anfeuern: „Super unterwegs!“ Ich fühlte mich auch wieder so.

So liefen wir kontinuierlich die erste Runde zu Ende. Das Tempo pendelte meist zwischen 4:25 und 4:30. Ich freute mich auf den 2. Durchgang. Bei der Halbmarathon-Marke schrumpfte unsere Gruppe schlagartig nun auf eine Läuferin, zwei anderen Läufern und mir. „Ich muss jetzt unbedingt versuchen in der Gruppe zu bleiben, sonst wird es hart alleine zu laufen.“

Es hat nun zu regnen begonnen und ich spürte, wie der Grip auf dem nassen Asphalt etwas nachließ. Wir liefen die Hellbrunner Alle wie aufgereiht hinunter. Einer der beiden Läufer, ein Italiener, hatte sich lautstark bei mir angehängt. Er kämpfte bereits das Tempo zu halten. Am Ende der Allee habe ich nichts mehr von seiner Atmung  gehört.

„Es wurde zunehmend beschwerlicher und unbequemer.“

Ich lief nun einen langen Streckenabschnitt mit der Läuferin mit Nummer 20. Ich merkte, wie sie kämpfte und sich anstrengte, und sie sollte noch eineinhalb Minuten vor mir das Ziel erreichen – wirklich beachtenswert. Das Tempo schwankte zwischen 4:30 und 4:35 – je nach Steigung. Ich achtete auf einen gleichmäßigen Schritt und konzentrierte mich auf die Atmung. Es wurde zunehmend beschwerlicher und unbequemer. Ich dachte allerdings noch, dass ich die Pace ins Ziel bringen könnte und begann bereits zu rechnen: der „Salzburg-Rekord“ von 3:08:10 wäre noch machbar.

Kurz vor dem 31. Kilometer freute ich mich auf eine Erfrischung an der Labstelle. Ich konnte sie jedoch auf dem Tisch „Eigenverpflegung“ in der Eile nicht finden. Es waren zu viele Flaschen aufgereiht und ich haderte mit der Situation. War es eine Schlüsselszene? Ich nahm kurzerhand ein Wasser und die letzten elf Kilometer in Angriff. Innerlich zählte ich herunter: noch elf, noch zehn, noch neun….  Und ich hatte immer mehr Schwierigkeiten das Tempo zu halten. Ich wurde langsamer und langsamer. Dann spürte ich Anzeichen von leichten Stichen am rechten Unterschenkel. „Bitte jetzt keine Muskelverkrampfung!“ dachte ich ahnungsvoll.

Der Regen wurde stärker – oder war es nur meine Wahrnehmung die sich veränderte. Ich bin nun bei einem Tempo von 4:40 angelangt. Aber die Kilometeranzahl auf der Uhr stimmt jetzt nicht mehr mit den tatsächlichen Kilometern überein. Ich denke in der Altstadt hat das GPS nicht mehr richtig funktioniert.

„Wann kommt endlich Kilometer 35?“ verzweifle ich schon etwas. Aber zur Erleichterung sehe ich bald die Tafel „36“ – noch sechs harte Kilometer! Jetzt bin am Limit angelangt und es macht sich auch der Trainingsrückstand deutlich bemerkbar. Ich fühle mich schlapper als noch vor einem Jahr in Linz. Ich habe nicht mehr so viel Biss, aber mein zweites Ziel – nach dem Salzburg-Rekord – ist noch möglich. Eine „Nuller-Zeit“, also unter 3:10. Am Streckenrand an der Neutorstraße covern einige Musiker den Klassiker der Foo Fighters: „There goes my hero…“ Ich muss schmunzeln, denn ich fühlte mich ja gar nicht heldenhaft.

wp_sbg16_sideÜber die Lehener-Brücke gibt es einen Anstieg, auf den ich mich schon innerlich vorbereitet habe. Ich nehme bewußt ein wenig Tempo weg und bereite mich schon auf den Zieleinlauf vor. Ich spüre immer wieder kurze Stiche am rechten Bein. Der 39. Kilometer. Die letzten fünfzehn Minuten.

„Schleppend bewege ich mich dahin, ich kann aber noch zwei Läufer einholen. Das gibt mir wieder Kraft.“

Weiter geht’s an der Salzach entlang, dann vorbei am Schloss Mirabell bis zur Linzer Gasse. Schleppend bewege ich mich dahin, ich kann aber noch zwei Läufer einholen. Das gibt mir wieder Kraft. Auch die Zuschauer werden lauter und klatschen uns ein. Über die Salzach höre ich noch die letzten Anfeuerungsversuche meiner Familie für die letzten 1000 Meter. Ich habe bereits den „Genuss-Modus“ eingeschaltet und laufe nun nicht mehr mit höchster Belastung.

„Ich strecke die Arme in die Höhe und laufe nach exakt 3:09:31 über die Ziellinie.“

Mehr als drei Stunden habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Der Zieleinlauf ist eine Erleichterung und trotz der Anstrengung – auch ein Vergnügen. Ich strecke die Arme in die Höhe und laufe nach exakt 3:09:31 über die Ziellinie.

Meine drittschnellste Marathonzeit war nicht meine beste Leistung, aber ich kann wieder darauf aufbauen und im Nachhinein war es ein lehrreicher Marathonlauf für mich. Ich erreichte dabei den 150. Rang von 1038 Marathon-Finisher. In der Wertung der Staatsmeisterschaft erreichte ich Rang 67 von 131 Startern. Bei den Burgenländischen Landesmeisterschaften erreichte ich für meinen Laufclub St. Margarethen den dritten Rang.