THAT’S THE WAY, AHA AHA, I LIKE IT

Der Fahrtwind bläst mir angenehm ins Gesicht, die Radkette rattert bei jeder Bergab-Passage, die langen Grashalme wiegen sich im Wind. Ich erhole mich wieder. Es klingt so einfach, so relaxed.

Es ist Juni 2019 und ich besitze seit langem wieder einmal etwas, das einer Form ähnelt. Aber bis hier war es ein langer Weg und ich betrachte es als Lohn für die schweißtreibenden Stunden.

Auch im vergangenen Herbst war ich auf einem guten Weg, aber den Ausreden sei Dank, habe ich mich dann wieder von den Muffins, Nusskuchen und Schokonikoläusen verführen lassen. Rühmte ich mich im November noch als einen Fahrer, der bei jedem Wetter fährt, habe ich durch die kurzen Tage dann doch wieder meine Fitness verloren und meine Supermacht schmolz unweigerlich dahin. Meine Form war sprichwörtlich zerfetzt.

Die Bemühungen von dieser niedrigen Basis wieder zu beginnen, zeigte mir dann wieder die Brutalität meiner langen Winterpause beim Training auf. Jeder noch so kleine Hügel, jeder noch so kurze Anstieg bereitete mir ungeahnte Schwierigkeiten. Klar, dass ich die Zeiten meiner Trainingsrunden, mit denen aus dem Vorjahr verglich. Es war ein weiterer Nackenschlag, ein Schlag in die Magengrube. War ich zu alt und zu müde, um nur ansatzweise wieder an mein Leistungsniveau heranzukommen? Ich wollte es nicht wahrhaben und zeigte allen umliegenden Hügeln um mich herum die Zähne. Sie sollten meine Wut, meinen Ärger über meine eigene Bequemlichkeit zu spüren bekommen. Es war emotional und lehrreich zugleich.

Heute fahre ich wieder mit meinem Lieblings-Radtrikot. Hat nicht jeder ein Trikot, mit dem man sich ein bisschen wohler fühlt, eines das einen an vergangene harte Trainingsstunden erinnert, eines mit dem man sich ein wenig fitter fühlt. Dieses Radtrikot ist mein Synonym für anstrengende Stunden und streife ich es über, wechsle ich automatisch in den Anstrengungs-modus.

In der Mitte meines meist besiegten Hügels, sehe ich nun einen anderen Fahrer, der sich hoch müht. Ich sehe es an den Bewegungen, wie der Lenker links und rechts ausschert und ich rieche Lunte. Mit dem richtigen Trikot, mit meinem neuen Selbstbewusstsein, mit einer Leichtigkeit und mit meinen Beinen, so geschmeidig und in Form geschnitzt fliege ich den Berg hinauf und überhole ich ihn schließlich.

Der ist der Moment, in dem ich kurz überlege mich bei Strava anzumelden, um meinen heimlichen Erfolg zu genießen. Und täusche ich mich, oder hörte ich wirklich einen Applaus hinter meinem Rücken?

AND THATS THE WAY, AHA AHA, I LIKE IT