BOYS DON’T CRY

 

Langsam und bedächtig schiebe ich voller Vorfreude mein Rad ins Freie. Es ist Mittwoch, sieben Uhr am Abend. Und obwohl es eigentlich beißend kalt ist, habe ich mich für das kurze Radtrikot entschieden. Ich bin Optimist und hoffe, dass mir durch die Anstrengung während meiner abendlichen Tour noch wärmer wird.

Und bereits nach den ersten Metern spüre ich den Fahrtwind. War es doch ein Fehler mit dem Trikot? Nach wenigen Minuten färben sich meine Unterarme zu einem leicht bläulichen Rot. Aber nach einem langen Tag im Büro will die Elemente spüren und ich freute mich am Nachmittag bereits auf eine schnelle Trainingsrunde.

Doch beinahe hätte ich es nicht geschafft. Beinahe hätte die Bequemlichkeit gesiegt. Einen kurzen Moment nur, ruhte ich ein paar Minuten auf der Couch und ich spürte schon die Trägheit, wie sie sich ausbreitete, wie sie mich streichelte und mir zuflüsterte: „Draußen ist es kalt, bleib gemütlich liegen.“

Doch plötzlich wurde mir klar, dass es nur ein schmaler Grat sein kann, zwischen Müßiggang und Training.

Radfahren auf meinem Niveau ist im Grunde nur eine Ausrede, um ein bis zwei Stunden aus dem Alltag auszusteigen. Zeit ohne Verpflichtungen, ohne Druck und ohne einer Aufgabe. Auch deshalb nutze ich den regenfreien Slot. Und auch deshalb ist es mir so wichtig den berühmten Schweinehund zu überwinden.

Die Reifen sind frisch aufgepumpt. 8,5 bar, und so komme ich doch noch recht locker die erste kurze Steigung hinauf. Und die Autofahrer rasen an mir vorbei, schneiden mich und spritzen mir das Regenwasser ins Gesicht. Die Hälfte der Verkehrsteilnehmer versucht mich zu entmutigen und den Rest macht das Wetter. Es ist noch immer bitterkalt.

Aber Boys dont cry.