LE VENT NOUS PORTERA

 

Je n’ai pas peur de la route, …

Le vent l’emportera

 

Mit dieser Melodie von Noir Desir im Ohr, versuche ich nun zum wiederholten Mal den kleinen Anstieg mit dem Rad hinaufzutreten. Aber es ist nicht der Anstieg, der mich verzweifeln lässt. Es ist vielmehr mein fortwährender Kampf gegen den Luftwiderstand – oder, um ihm seinen alltäglichen Namen zu geben: der Wind. Er nimmt mir heute jeglichen Mut. Er bläst mir direkt ins Gesicht, beinahe kommt es mir vor, er will mir nur sagen: „Streng dich mehr an!“

Denn wir Radfahrer sind dem Wind in seiner rohen Energie mehr ausgesetzt als alle anderen Sportler an Land – natürlich mit der Ausnahme von Bergsteigern. Und er stellt eine der schwierigsten Herausforderungen unseres Sports dar. Aber das bedeutet nicht, dass wir uns vor ihm fürchten sollten. Auch wenn der Wind so unverschämt sein sollte, dass er von der Seite kommt und nicht von der Front. Auf meinen Trainingsfahrten steht mir kein Peloton zur Verfügung, in dem ich mich im Schutzraum des Rudels nach Bedarf wieder ausruhen kann.

„Weniger ist mehr.“

Aber trotz meiner Routenplanungen wurde mir schließlich klar, dass die eigentliche Lösung darin besteht, den Wind als Freund und nicht als Feind zu betrachten. Für mich ist der Wind nun einfach ein unsichtbarer Hügel. Den Luftwiderstand mache ich mir tatsächlich zur perfekten Trainingshilfe. So betrachte ich meine lokalen Anstiege nicht als Feinde, sondern vielmehr als Herausforderungen. Und auch nicht als Entschuldigung dafür, im Bett zu bleiben.

Ja, das Training bei einem Gegenwind erfordert einen Einstellungswechsel. Bei meinen Trainingsfahrten geht es darum, mich auf die Böen einzustellen. Ich verwende keinen Pulsgurt oder Leistungsmesser. Bei den Trainingsdaten richte ich mich eher nach dem Motto: Weniger ist mehr. Und bei windigen Bedingungen beachte ich die Geschwindigkeit meiner GPS-Uhr einfach nicht. Denn beim Gegenwind hängt bei mir alles vom „fühlen“ ab. Wenn ich durch den flachen Abschnitt fahre, in dem ich normalerweise 30 km/h trete, fühlt es sich bei Gegenwind an, als würde ich einen steilen Hügel hinauffahren.

Le vent nous portera – mit dieser Einstellung in meinem Unterbewusstsein, schleiche ich also mühsam die steile Straße hinauf, und ich denke mir: „Warte nur, bis ich umkehre, dann hab ich Rückenwind – und dann trägst du mich!“

 

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