A HAZY SHADE OF WINTER

 

Time, time time, see what’s become of me…

Ja, es ist Zeit. Zeit für eine Winterausfahrt.

…while I looked around for my possibilities…

Ich sehe mich nach meinen Möglichkeiten um.

Es wurde schon reklamiert, ich wäre ein reiner Schönwetterfahrer. Aber auch der Winter hat etwas Reizvolles. Ich habe nun meinen Anteil an Winterfahrten deutlich erhöht und oft genug gegen den eisigen Wind gekämpft und gegen den kalten Schauer getreten. Aber tief im innersten ärgert mich die Kritik immer noch ein wenig. Schönwetterfahrer? Pah!

So spähe ich nochmals durch das Küchenfenster hinaus. Und wo vor kurzem noch die Sonne durch die Wolken blinzelte, sehe ich nunmehr nur den verschwommenen Horizont in dunkelrot. „Schönwetter-Radfahrer!“ geistert es in meinen Gedanken. Die Kritik sticht wie der Eisregen in meinem Gesicht.

Ich spüle also den Rest des Espressos hinunter und starte meine Ortsrunde. Also die vierzig Kilometer als Minimalziel, welche ich für mich als Radausfahrt bezeichne.

Der Horizont wird immer dunkler und die ersten Tropfen klatschen auf den rauen Belag. Der Asphalt wurde gespalten durch den Frost. Der Wind frischt auf und ich spüre wie eine Böe das Vorderrad touchiert. Schönwetterfahrer, Pah! Aber ich habe eine dicke Haut. Sie ist winderprobt und wasserdicht und wurde von Skinfit® hergestellt. Tatsächlich regnet es jetzt wieder. Und der Regen findet trotzdem jeden Riss und jeden Spalt am meinem Nacken. Die Zähne werden zusammengebissen. Winterfahrten sind eben manchmal nass und sehr kalt. Und einsam. Ich begegne keinem Anderen, der diesen Tag für eine Ausfahrt nützt, keinem Anderen der sich stählt. Für die Sommerbewerbe. Die Grundlagen werden bekanntlich im Winter gelegt.

Und ich habe viel Zeit nachzudenken, zu überlegen wie kalt es ist. Es ist eine unbeschreibliche Winterausfahrt. Ich nehme keine Regung, keine Empfindung war. Ich spüre nur den stählernen Gefühlsmangel zwischen meinen Füßen und Händen, die wie Krallen am Lenker festkleben. Kaum fähig die Schaltung zu tätigen.

In meinen Gedanken sehe ich die sepiafarbenen Rapha®-Sujets mit den malerischen Sonnenuntergängen. Sie sind meine persönliche Überlebensstrategie. Sie helfen mir über die restlichen Kilometer hinweg. Und die Vorfreude auf eine heiße Dusche, die mir die Kälte vom Körper spült.

Und wenn es wieder drückend heiß und stickig ist, sehne ich mich nach diesen Winterausfahrten. Nach diesen stoischen Kilometern in der unverkennbaren Haltung eines Radfahrers, der die Kälte ignoriert. Oder es zumindest versucht.

Denn schließlich geht es doch darum, sich den Hintern abzuhärten.

Schönwetterfahrer, Pah!

 

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