RIDERS ON THE STORM

Für mich ist es eine riesengroße Zahl. Die Kilometeranzahl, die ich gerne am Ende des Jahres übertreffen möchte. Riesengroß, weil noch viele, lange Runden vor mir liegen werden, bis ich sie annähernd erreichen kann. Aber die Chance sie zu erreichen, sie lebt. Jetzt am Jahresbeginn ist die Motivation wieder extrem hoch.

Und auch der sportliche Höhepunkt soll diesmal etwas Besonderes werden. Darauf richtet sich meine ganze Vorbereitung, meine ganze Energie. Beinahe jede freie Minute soll darauf verwendet werden. Ob jetzt im Winter, wenn es auch stürmt und schneit oder etwas später im Jahresverlauf, wenn es wieder siedend heiß auf den Asphalt brennt.

Das ist also meine Motivation, weshalb ich bei diesen Temperaturen im Wind meine Runde trete. Der kalte Jänner-Nordwind perlt jedoch bei mir ab. Die Haube bis über die Ohren, das Halstuch bis zum Kinn hochgesteckt. Dick eingepackt von Helm bis Schuh fahre ich vorsichtig meine kleine Hausrunde ab. Die Grautöne der Wolkenbänke, die kahlen Bäume und Hauswände steigern nicht gerade meine Begeisterung, allerdings ist es doch die gleiche Bewegung wie im Frühling und im Sommer. Die Hände am Lenker, die Füße an den Pedalen. In dieser Position ist die Freiheit wieder spürbar. Egal bei welchen Temperaturen. Egal ob bei Sonne oder bei Wind und Wetter. Der Weg ist das Ziel. Ich muss nur den Mut und die Überwindung finden. Und mich einfach auf das Rad setzen.

 

 

Die Reifen sind nicht voll aufgepumpt, den Reifendruck habe ich wegen der glatten Straße etwas gesenkt. Auch den Sattel habe ich ein wenig tiefer gestellt. Heute setze ich nicht auf Tempo oder Intervalle, sondern Regelmäßigkeit und Kontinuität sind mir wichtig. Einfach dranbleiben. Die Ausdauer überwintert schließlich nicht im Keller.

Einsam trete ich einen kurzen Anstieg hinauf. Ich bin in meiner eigenen Blase. In meinem eigenen Wohlfühlort. Es gelingt mir die Belastung auszublenden. Wenige Autos begegnen mir heute, und auch keine anderen Radfahrer. Nur der Wind ist mein ständiger Begleiter. Und es scheint, ich spüre immer nur Gegenwind. Eisig und kalt. Egal in welcher Richtung ich trete. Aber ich blende es einfach aus, schiebe die Strapazen einfach weg. Und je näher ich meinem Ziel entgegenkomme, des leichter gelingt es mir. Die ersten Lichter in den Häusern suggerieren Wärme und Geborgenheit. Bald werde ich mich wieder aufwärmen können. Bei einer Tasse heißen Tee.

Aber jetzt muss ich noch treten und weitermachen. Einfach immer weiterfahren. Denn schließlich geht es doch auch darum, sich den Hintern abzuhärten.

 

 

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