NOTHING ELSE MATTERS

 

„Hey, hey, hey get out of my way!“ singe, nein, ich schreie es lautstark hinaus. Und keiner hört mich. Aber egal. Ich bin alleine mit dem Rennrad auf der Landstraße. Und ich fühle mich großartig. Es geht mir noch erstaunlich gut. Ich fühle mich heute kein bisschen müde, wie sonst nach diesem langen Anstieg, den ich schon unzählige Male in meiner Trainingsrunde bewältigt habe. Der lange Anstieg, der mir immer so große Mühe machte. Der mich an meine Grenzen brachte und mich oft zweifeln lies.

Ich stoppe jedes Mal auf diesem Anstieg die Zeit, die ich dafür benötige. Jedes Mal prüfe ich, ob ich mich etwas verbessert habe. Manchmal etwas mehr, manchmal aber auch gar nicht. Etwa, einmal im Hochsommer wurde ich auf dem halben Anstieg von einem anderen Radfahrer überholt. Es war kein Drama, deprimiert war ich aber trotzdem. Und heute? Heute habe ich einfach so für mich eine neue fulminante Bestzeit hingelegt. 22 km/h anstelle der sonst üblichen 16 km/h. Momentan strotze ich nur so vor Leidenschaft und Motivation.

Und dann plötzlich kommt mir ganz unangemeldet ein Gedanke in den Kopf.

Dieser Gedanke enthält das S-Wort. Sturz. „Hoffentlich stürze ich nicht!“ denke ich, sofort irritiert von dem Gedanken. Warum habe ich das gerade gedacht? Es ist mir noch nie in den Sinn gekommen. – Bis jetzt. Vielleicht hatten alle meine menschlichen Sinne, ohne dass es mir bewusst war, die gesamten Details über den Reifenverschleiß, den Straßenzustand, die geschnittenen Hecken und die daraus resultierenden stacheligen Zweige an den Straßenrändern mit den Gesetzen der Fliehkraft sowie meinem Gewicht, berücksichtigt. Vielleicht haben alle diese Umstände dazu geführt? Wie auch immer.

 

 

Es ist ein normaler, nebeliger Novembertag. Der herbstliche Glanz ist als schleimiger Mulch über die Fahrbahnen verstreut und er ist gefährlich. Manchmal ist es so glitschig, dass es mir beinahe das Vorderrad unter mir wegreißt. Das ist der Beweis. Deshalb die Gedanken.

Und obwohl ich es mir eigentlich gar nicht eingestehen mag, bin ich seit meinem Sturz doch etwas vorsichtiger geworden. Gerade bei diesen Verhältnissen und speziell bei engen Kurven gebe ich besonders acht.

Jetzt ist mir zwar etwas kalt, aber ich bin glücklich. Denn ich weiß, zuhause wartet dann ein wärmender Tee auf mich. Vielleicht sogar mit einem großen Stück Kuchen.

Und ich werde mir auch weiterhin den Hintern abhärten.

Das ist alles, was zählt. – Nothing else matters

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