SUFFER WELL

 

Die Tage werden kürzer, aber dadurch dauern die Vorbereitungen in den nächsten Monaten wieder länger. Es dauert länger zu entscheiden, wie viele Schichten man überstreift. Es dauert länger, um alles anzuziehen und aus dem Haus zu kommen. Das Wetter beginnt uns wieder einzugrenzen. Konnte man im Sommer noch problemlos mit einer zweistündigen Ausfahrt mit dem Rad den Tag beenden, so muss man an Tagen wie diesen, die Runde genauer planen.

Aber mein derzeitiger Plan lautet ganz einfach: Es gibt keinen Plan. Ich fahre nur nach Lust und Laune. Und dadurch bekomme ich wieder wesentlich mehr Lust aufs Rennrad zu steigen. Meine Runden werden dadurch auch länger, ausgiebiger und teilweise sogar intensiver. Intensiver, weil ich durch die bessere Einteilung meiner Kräfte nun für jede Ausfahrt mehr Kilometer fahren kann und am Ende noch Kraft für einige Zwischensprints habe.

Früher trat ich in den ersten Kilometern bereits sehr kraftvoll und energisch in die Pedale und meine Ausfahrten waren deshalb auch dementsprechend kurz. Aber, nachdem ich nun einige Tausend Radkilometer in den Beinen und damit etwas mehr Erfahrung habe, beginne ich die Ausfahrten etwas langsamer und rolle auf den Straßen gemächlich dahin. Die Anstiege werden auch mit einem lockeren Tempo bewältigt. Nur ab und zu, wenn mich der kurzfristige Ehrgeiz packt, gehe ich aus dem Sattel und versuche einen schnelleren Tritt.

 

 

Ich konzentriere mich nun abseits von Pulswerten, Tempoangaben und Wattmessungen auf den puren Genuss einer Radausfahrt, und sehe es nicht mehr als reine Trainingseinheit. Bedingt durch meine Erfahrungen beim Radmarathon oder der Herausforderung am Großglockner haben sich meine Ambitionen vorerst doch beträchtlich geändert. Natürlich könnte es sich in ein paar Monaten schon wieder anders verhalten.

Aber für den Moment, „leide“ ich also nur ein bisschen. Ich versuche nicht mehr das letzte Körnchen aus mir herauszuholen, ich versuche nicht mehr alle Anstiege in letzter Konsequenz zu bewältigen und ich versuche nicht mehr die Runde in einem vorher festgelegten Tempo zu beenden. Nicht der Berg oder ein Plan entscheidet, wie lange ich mich quäle.

Aber ich werde mir weiter den Hintern abhärten, …auch wenn es etwas länger dauert.

 

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