TICKET TO RIDE

Einfach aufgeben, einfach stehenbleiben. Auch wenn es in diesem Augenblick das scheinbar einfachste ist, klingt es doch ein paar Tage mit einem leicht negativen Beigeschmack nach. So geschehen beim Eddy-Merckx-Classic am Fuschlsee. Es war das erste Mal, dass ich ohne größere Notwendigkeit bei einem Rennen stehen blieb. Ich hatte mich vorher mit einer kleinen Gruppe auf der Strecke verfahren und extra zusätzliche Kilometer absolviert. Nachdem wir es dann schließlich bemerkten, spukten mir viele negative Gedanken im Kopf herum. Aber ein Gedanke zu viel. Einfach aufgeben, einfach stehenbleiben – es ist so verführerisch in diesem Moment. Und die Versuchung war dann zu süß. Wahrscheinlich war es auch eine Mischung zwischen Rennfeeling und familiärer Atmosphäre, eine Mischung aus zu hohem Anspruch und zu wenig Ernsthaftigkeit.

 

 

Stichwort Anspruch: In den Wochen davor hatte ich immer eine Ausrede parat. Entweder war es zu heiß oder der Rücken schmerzte zu viel. Entweder war ich zu müde oder hatte keine Zeit. Die Liste ließe sich noch beliebig weiterführen. Aber nach der Ebbe kommt die Flut und nach der Niederlage wieder ein positives Erlebnis.

 

 

Ich versuche nun wieder kleinere Schritte in die richtige Richtung zu machen. Früher habe ich meinen Job, meine Familie und meine Leidenschaft locker gemanagt. Aber die Prioritäten haben sich in eine andere Richtung verschoben und es kamen einige zusätzliche Stressfaktoren dazu. Kein Stress im negativen Sinn. Aber das Leben ist komplex, es passiert. Täglich sind wir mit psychischen und emotionalen Herausforderungen konfrontiert. Und es ist nicht immer schlecht, wenn man mal durchatmet und eine Pause macht.

 

 

Ich konzentriere mich nun wieder auf das Wesentliche. Auf die Freude am Sport. Es soll kein Muss sein, sondern ein Kann und Darf. Ich mache jetzt wieder eine Ausfahrt, weil ich es machen möchte und nicht aus reinen Trainingszwecken. Einfach die Reifen aufpumpen und losfahren. Und ich werde mir neue Routen suchen. Ich hatte immer nur drei verschiedene Trainingsstrecken: eine kurze, eine mittlere und eine lange Route. Aber ich werde den sprichwörtlichen Autopiloten ausschalten und wieder neue Orte ansteuern und damit neue Wege erforschen.

Und ich freue mich schon auf mein ticket to ride.

 

 

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