DON´T LOOK BACK IN ANGER

 

Etwas aufgeregt stand ich ein paar Minuten nach acht Uhr morgens im letzten Drittel des Starterfeldes des Eddy-Merckx-Classic am Fuschlsee. Ich wollte bei diesem Radmarathon über hundertsechs Kilometer eine einigermaßen gute Performance abliefern.

Ich beobachtete noch die anderen Teilnehmer und sah auch einige bekannte Gesichter. Rudi, mein ehemaliger Schulkamerad moderierte in gewohnter Manier den Bewerb und machte gute Stimmung vor dem Start. Eine Radfahrerin neben mir, fragte mich noch wie lange es noch dauert und meinte, dass die ersten Kilometer gleich sehr steil beginnen würden. Ich bejahte und wies darauf hin, dass auch den letzten Kilometer noch ein Anstieg auf uns warten würde.

 

Dann ging es endlich los und der ganze Pulk schob sich langsam die ersten Kilometer hinauf. Auch wenn es in der Früh noch etwas kühl war, merkte man aber nun, dass es noch ein ziemlich warmer Tag werden würde. Oben angekommen reihte ich mich in der Kolonne ein und versuchte mein Tempo zu finden. So ging es weiter über Thalgau und am nächsten Anstieg zerbröckelte die Gruppe und ich konnte auf diesem Teilstück wieder zügig hinauftreten. Diese Erfahrung machte ich ja an gleicher Stelle bereits beim Mondseer 5-Seen-Radmarathon.

Oben angekommen bildete sich eine Gruppe, welche ungefähr mein Tempo fuhr. Anfangs reihte ich mich hinten ein, wechselte mich aber ein paar Minuten später mit einem anderen Fahrer bei der Führungsarbeit ab. Die ersten dreißig Kilometer waren bald geschafft und ich fühlte mich noch sehr fit. Kleine Anstiege konnte ich noch locker im Wiegetritt bewältigen.

Auf den folgenden Kilometern sammelten wir immer wieder andere Teilnehmer ein und das „Packerl“ wurde auch immer kleiner. So ging es die nächsten zwanzig Kilometer weiter und nach der Hälfte der Strecke stärkte ich mich auf einem flacheren Teilstück mit einem Riegel.

 

 

Top motiviert radelten wir also durch die Flachgauer Gemeinden. Mit hoher Geschwindigkeit rasten auf der breiten Landstraße einen Abhang hinunter und danach einige Kilometer weiter nach Lochen. Dort begegneten uns zwei andere Teilnehmer und fragten, welche Tour wir fahren. Etwas unsicher bremste ich ab und sah am Straßenrand einen Passanten winken. Ich blieb direkt neben ihm stehen, und er meinte, dass wir eine Abbiegung übersehen hätten. Beim Abhang hätten wir rechts abbiegen müssen.

Entmutigt und enttäuscht kehrten vier andere Teilnehmer und ich wieder um und versuchten die verlorene Zeit sofort wieder aufzuholen. Mit erhöhter Geschwindigkeit traten wir wieder zurück und bemerkten das Hinweisschild der Streckenführung. Hier bogen wir nun auf den richtigen Kurs ab. Das Tempo blieb nach wie vor hoch und bald sahen wir vor uns wieder zwei andere Teilnehmer. An den Trikots erkannte ich, dass ich sie heute bereits einmal überholt hatte.

Ich war noch immer enttäuscht über die zusätzlichen Kilometer und versuchte nun mit voller Kraft wieder auf die zwei Teilnehmer aufzuschließen. Nach einiger Zeit hatten wir es geschafft und nun waren wir eine Gruppe von sieben Fahrern.

Die Anzeige an der Quecksilbersäule stieg und der Flüssigkeitsverlust machte sich langsam aber sicher bemerkbar. Ich spürte wie es mir immer schwerer fiel, die kleinen Anstiege zu meistern. Natürlich hatte ich in den letzten zehn Kilometern völlig überpaced und bekam nun die Rechnung präsentiert.

 

 

Plötzlich konnte ich auf einem Anstieg das Tempo nicht mehr mithalten. Oben angekommen, gelang es mir auf der Flachpassage zwar wieder den Anschluss zu finden. Beim nächsten Anstieg musste ich die Gruppe jedoch ziehen lassen. Nun war ich völlig entmutigt.

Langsam fuhr ich nun alleine weiter, haderte aber mit den Extra-Kilometer und der Folge, dass mich danach weit über meinem Leistungsniveau fuhr.

Nach einiger Zeit schloss ein Pärchen zu mir auf und ich konnte mich hier im Windschatten anhängen. So fuhren wir weiter Richtung Zell am Moos. Bei einem Blick auf die Uhr merkte ich, dass meine Durchschnittsgeschwindigkeit kontinuierlich langsamer wurde und plötzlich hatte ich gar keine Lust mehr das Rennen zu beenden. Ich hatte es mir ganz anders vorgestellt. Ich wollte unbedingt für die letzten zwanzig Kilometer noch genügend Kraftreserven für ein lockeres Finish aufsparen. Und jetzt! Jetzt war ich entmutigt und auch entkräftet. Mein nächster Gedanke war, dass die Streckenführung nur ganz knapp an meinem Elternhaus in Mondsee vorbeiführt. Wie wäre es, einfach dort stehenzubleiben. Wieder und wieder versuchte ich den Gedanken auszublenden. Aber bei jedem weiteren Anstieg kam der Gedanke umso stärker zurück. Die Versuchung war nun riesengroß und schließlich beschloss ich, das Rennen zu beenden und einfach die letzten paar Hundert Meter gleich nach Hause zu fahren.

Und als ich diesen Entschluss fasste, flog plötzlich die ganze Enttäuschung von mir ab. Ich war nicht mehr enttäuscht oder verärgert, sondern ich fühlte mich irgendwie erleichtert und wusste aber auch, dass ich es beim nächsten Mal besser machen möchte.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.