ANOTHER ONE BITES THE DUST

 

 

„Triathlon ist eine Ausdauersportart, bestehend aus den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen, die nacheinander in dieser Reihenfolge zu absolvieren sind.“

 

Ein Triathlon also. Im Dezember habe ich mich für die Sprintdistanz beim Trumer Triathlon angemeldet. Damals begann ich wegen meiner Rückenprobleme gerade mit dem Schwimmtraining und war anfangs noch voller Tatendrang. In den folgenden Monaten verschoben sich jedoch meine Prioritäten und bald musste ich erkennen, dass es bei meinem geringen Trainingsaufwand für diese Distanz nicht reichen wird und meldete mich auf den Fun-Triathlon um. 250 Meter schwimmen, 12,5 km Radfahren und 2,5 km Laufen. Das sollte machbar sein und wird sicher auch ein Spaß werden.

Eine halbe Stunde vor dem Start teilt uns das OK-Team mit, dass aufgrund der Wassertemperatur ein Neopren-Verbot herrscht, obwohl es die Stunden zuvor durchgehend regnete und sich das Wetter eingetrübt hat. Zugegeben, es kommt mir sehr entgegen, da ich gar keinen Neoprenanzug besitze. Ich wäre also sowieso ohne Anzug geschwommen.

So schwimme ich nun bei dem nasskalten Wetter an die Startlinie zu meinem ersten Triathlonbewerb. Ich bin überhaupt nicht nervös oder aufgeregt, sondern freue mich schon wahnsinnig auf die kommende Stunde.

„Manchmal schwimme ich zur Erholung ein paar Meter auch am Rücken.“

Um 15:30 Uhr erfolgt der Startschuß und ich lasse alle anderen Athleten passieren und reihe mich am hinteren Ende des Feldes ein. Mit einer Kombination aus Brust- und Kraultechnik versuche ich die 250 Meter zu absolvieren und dabei nicht auf den letzten Platz abzurutschen. Manchmal schwimme ich zur Erholung ein paar Meter auch am Rücken. Die Schwimmdistanz ist also meine absolut schwächste Disziplin. Aber trotzdem macht es riesigen Spaß und es ist eine coole, neue Erfahrung. Zum ersten Mal schwimme ich bei einem Bewerb gegen die Uhr. Und ich bin heilfroh, dass ich auf die kürzeste Distanz wechselte.

Mit diesem Mix meiner Schwimmtechniken erreiche ich dann irgendwie das Ufer und ich laufe völlig außer Atem in die Wechselzone. Von weitem sehe ich schon meinen Bruder, der mich anfeuert und auch mit einem Augenzwinkern angrinst, da nur noch wenige Athleten hinter mir sind. Aber auf festem Terrain fühle ich mich wieder sicherer und wohler und ich kann dabei auch einige Mitbewerber überholen. Beim Umziehen wird noch mit den Mitbewerbern gelacht und gescherzt und ich merke, dass sie es mit der Vorbereitung ebenso locker nahmen, wie ich.

„Platzierung für Platzierung verbessere ich mich.“

Voller Euphorie starte ich also die Raddistanz und hier beginnt nun meine Aufholjagd. Die Radstrecke führt meist bergauf und ist im Wesentlichen sehr kupiert. Ich kann jetzt viele Radfahrer überholen und ich bin top motiviert. Wahrscheinleich ein angenehmer Nebeneffekt der Superkompensation der Großglockner Bike Challenge. Ich habe das Rad also gut im Griff und trete voller Kraft meistens im Wiegetritt die Anhöhen hinauf. Durch den welligen Kurs kann ich mich bei den Bergab-Passagen immer wieder gut erholen und bereits nach kurzer Zeit habe ich die 5-KM-Marke erreicht. „Es läuft ja doch gar nicht so schlecht für mich.“ Platzierung für Platzierung verbessere ich mich.

Mit Fortdauer des Rennens wird es zwar immer wärmer aber die Straße ist meist noch feucht. Ich fahre gerade in einem Waldstück einen kleinen Abhang hinab und trete nochmal voll durch, damit ich den Schwung in der nächsten Rechtskurve mitnehmen kann. Der Fahrer vor mir bremst etwas, aber ich nehme die Kurve mit Risiko.

„Die Uhr tickt nun doppelt gegen mich.“

„Jetzt hole ich noch wertvolle Sekunden heraus.“ denke ich mir bei der Kurveneinfahrt. Und genau in diesem Augenblick geschieht es. Mein Vorderrad rutscht weg und ich schlittere wie ein Käfer seitlich den Asphalt entlang. Kchchch. Das Rad schlittert wie ein Eisstock auf dem rauhen Belag. Ich liege am Boden und spüre sofort den Schmerz. Mein rechtes Knie, Oberschenkel und Ellbogen sind mit Aufschürfungen und Blessuren überzogen. Meine nächsten Gedanken kann ich nicht mehr wiedergeben. Sie sind nicht jugendfrei. Meine Aufholjagd wurde jäh gestoppt. Ich war gut unterwegs. Aber ich fasse mich schnell. Und ich entscheide mich schnell. Die Uhr tickt nun doppelt gegen mich. Die zuvor überholten Fahrer rollen nun wieder an mir vorbei.

Zum Glück ist genau an dieser Stelle ein Ordner postiert. Er nimmt das Rad von der Straße und eilt damit sofort zu mir. Die Kette ist herausgesprungen und der Lenker ist etwas verzogen. Alles geht nun blitzschnell. Er hilft mir, die Kette einzuspannen und ich beschließe, das Rennen wieder fortzusetzen. Erst am späten Abend sollte ich die genauen Ausmaße meines Sturzes erkennen.

Etwas wackelig reihe ich mich wieder ein und nach wenigen Minuten setze ich die Aufholjagt fort. Und ich spüre einen brennenden Schmerz unter der Radhose, aber durch die vielen Endorphine sind sie bald vergessen. Vor dem zweiten Wechsel bin ich wieder mitgerissen von der allgemeinen Stimmung und den Anfeuerungsrufen meiner Familie und von Franz, einem Triathlonfreund. Er sollte am nächsten Tag österreichischer Staatsmeister in der AK60 auf der Mitteldistanz werden. Bravo!

Die ersten Meter auf der Laufstrecke sind etwas holprig und das fehlende Lauftraining macht sich nun doppelt bemerkbar. Aber ich versuche mein Tempo zu finden und kann auf dieser kurzen Distanz gegen Ende völlig unerwartet sogar noch drei Mitbewerber überholen bevor ich nach einer kurzen Schleife den Zieleinlauf von weitem erkennen kann.

Ich genieße die letzten Meter in vollen Zügen und freue mich wahnsinnig, dass ich meinen ersten Triathlon – doch noch – erfolgreich beenden konnte. Voll gepumpt mit Endorphinen erzähle ich allen meine Erlebnisse auf der Strecke und trotz des Unfalles bin ich von der Teilnahme und der Atmosphäre überwältigt und genieße ein Finisher-Bier mit meinem Bruder.

 

Meine Splitzeiten:

Swim:            8:04  (108.)
T1:                5:02
Bike:            29:57    (66.)
T2:               1:52
Run:            12:51    (80.)

Gesamtrang:            81.

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