ABENTEUER RADSPORT

Mailand-San Remo ist das erste von fünf jährlichen „Monumenten des Radsports“, die zusammen mit der Ronde van Vlaanderen, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich und dem Giro di Lombardia zum Denkmal erhoben wurden.

 

Mit fast 300 Kilometern ist Mailand-San Remo der längste der jährlichen Radsport-Klassiker und steht bei jedem italienischen Fahrer ganz oben auf der Sieges-Wunschliste. Die Route folgt großteils der historischen Via Aurelia, führt über den Turchino-Pass, mit 588 Metern der höchste Punkt und endet an den Ufern der italienischen Riviera.

Ich bin aber fasziniert von der Dramatik, der Spannung und der Faszination der traditionsreichen Eintagesrennen in Belgien und im Norden Frankreichs. Ich bin fasziniert von den Rennradfahrern, die die Tour de France nur als eine Serie von Trainingsfahrten betrachten. Ich bin fasziniert von den Pedalisten, die unter den härtesten Bedingungen mit dem Kopf nach unten bei kaltem Wind und strömenden Regen mit einem Lächeln im Gesicht über die Kopfsteinpflaster rasen.

 

 

Die „Ronde van Vlaanderen“, die Flandern-Rundfahrt und der Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich sind in Belgien stets ein Volksfest und Sportevent der Extraklasse. Im Übrigen hat der Radsport in Belgien einen sehr hohen Stellenwert und grenzt für viele beinahe an eine Religion. Und mit einer Bevölkerung von nicht mehr als elf Millionen Einwohnern hat Belgien fünf Klassiker der World-Tour-Saison, von denen einige mehr als hundert Jahre alt sind. Und sie hosten sie nicht nur, sie gewinnen sie auch mit einer bemerkenswerten Gewinnquote von einundsechzig Prozent für belgische Fahrer in den fünf Rennen.

„Die gesamte Strecke ist geprägt von den kurzen und teilweise über 20-Prozent steilen Hellingen.“

Die Flandern-Rundfahrt startet wieder auf dem Grote Markt in Antwerpen und führt über die als „Mauer“ bekannte und gefürchtete Muur van Gerardsbergen. Die gesamte Strecke ist geprägt von den kurzen und teilweise über 20-Prozent steilen Hellingen. Den siebzehn, meist nur zwei kilometerlangen Anstiegen, welche bei der Ronde regelmäßig mit den Kasseien (flämisch für Kopfsteinplaster) zusammenfallen und die Anstiege umso schwieriger machen. In die Siegerliste mit jeweils drei Siegen haben sich der Italiener Fiorenzo Magni, der Schweizer Fabian Cancellara sowie die Belgier Achiel Buysse, Johan Museeuw, Eric Leman und Tom Boonen eingetragen.

Das jährlich Ende April stattfindende Radrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich gilt aufgrund der steilen Anstiege (Côtes) als einer der schwersten Monumente. Charakteristisch sind dabei die oft rennentscheidenden Steigungen im Finale des Radrennens. Das Eintagesrennen wurde 1892 erstmals gestartet und trägt daher den Ehrennamen La Doyenne (Die Älteste). Die meisten Siege erreichte der Belgier Eddy Merckx, der zwischen 1969 und 1975 insgesamt fünfmal gewann.

 

 

Als Königin der Klassiker gilt aber das Radrennen Paris – Roubaix. Der Start befindet sich rund achtzig Kilometer nördlich von Paris vor dem Schloss in Compiègne und endet im legendären Vélodrome von Roubaix. Das Rennen ist geprägt von den berühmten Kopfsteinpflasterpassagen, den sogenannten Pavés. Sie werden in fünf Kategorien unterteilt, wobei der Zustand der Pflaster für die Kategorisierung ausschlaggebend ist. Und gerade bei schlechtem Wetter machen sie den Frühjahrs-Klassiker zu einer außerordentlichen Tortur. Der wohl berüchtigtste Sektor führt von Wallers nach Arenberg. Diesen Abschnitt nennt man, die Trouée d’Arenberg, und oft bringt der nach zwei Dritteln des 257 km langen Rennens auch bereits eine Vorentscheidung.

Viele der grauen Granitblöcke sind in den Lehm eingesunken und dadurch entstanden die Rillen, die mit Regenwasser gefüllt sind. Die Sonnenstrahlen erreichen sie selten durch die großen, fast unheimlich wirkenden Bäume. Der Eingang zu dieser Hölle des Nordens ist eine unbefestigte Bahnüberquerung, gefolgt von einer zwanzig Meter langen Strecke aus schlammigem Schiefer.

 

 

Die erste Ausgabe des Rennens im Jahr 1896 gewann der Deutsche Josef Fischer. Die meisten Siege gelangen mit jeweils vier Siegen den beiden Belgiern Roger De Vlaeminck, zwischen 1972 und 1977 und Tom Boonen im Zeitraum von 2005 bis 2012.

Und genauso wie die Tour de France die besten Etappenrennfahrer anzieht und mit Abstand die größte Medienpräsenz eines jeden Radrennens darstellt, sind die „Monumente des Radsports“ die Saisonziele für die besten Klassikerfahrer. Hier kann sich jeder Rennradfahrer ein Denkmal setzen.

 

 

Und diese Faszination der Eintagesrennen überträgt sich manchmal auf eine meiner Trainingsfahrten. Die Teilnehmer der Klassiker sind vom ersten bis zum letzten Kilometer, vom Start bis ins Ziel, gefordert und hochkonzentriert und versuchen unter härtesten Bedingungen ihren Trainingsschweiß auf die Pedale zu übertragen. So versuche ich auch je nach Motivation und Trainingsplan eine intensive Runde bei Wind und Regen zu absolvieren.