AN TAGEN WIE DIESEN… MÄRZ 2018

 

Das Beste ist natürlich der Rückenwind. Wenn ich in die Pedale trete und es mir gleich einen Schub gibt und die Landschaft nur so vorbeifliegt – oder ich an ihr.

 

Heute mache ich mit dem Rennrad die erste richtige Ausfahrt. Und es ist ein schöner Ausreißversuch, wenn der Asphalt nur mir gehört. Wenn ich nicht mehr monoton im Zimmer auf dem Spinning-Bike meine Kilometer abstrample. Wenn sich das Revier erweitert. Innerhalb weniger Sekunden befreit sich der begrenzte Horizont, und die Landschaft gerät in Bewegung.

Lange habe ich darauf gewartet, dass mir der Fahrtwind wieder ins Gesicht bläst. Zugegeben, der Wind fühlt sich noch relativ kühl an, aber es riecht nach Freiheit.  Lange habe ich darauf gewartet, den Hügel wieder hinunterrollen zu können und die frische Luft zu atmen. Dabei kann ich mich ausruhen vom vorherigen Anstieg. Beim Spinning gibt es ja keine Pausen, auch wenn ich vorher einen Berganstieg „simuliere“. Ich muss immer weiterradeln – und ich bewege mich  doch nicht vorwärts.

„Oder ich könnte sogar mit einem Grizzly-Bären kämpfen, so motiviert bin ich.“

Den kurzen, steilen Anstieg bin ich soeben mit einem Lächeln hinaufgefahren. Und noch vor ein paar Monaten habe ich mich immer innerlich darauf vorbereitet, und mich abgemüht. Und dann war ich froh und erleichtert, als ich ihn endlich hinter mir hatte. Aber heute? Heute kann ich sprichwörtlich die Bäume ausreißen, vor Glück, vor Begeisterung. Oder ich könnte sogar mit einem Grizzly-Bären kämpfen, so motiviert bin ich. Es liegt nicht daran, dass ich besser trainiert bin, aber die Entschlossenheit und die Vorfreude gibt mir den notwendigen Ansporn für die die kommenden Herausforderungen.

Und es ist auch das geographische Ziel, dass ich mir setze. Vor der Ausfahrt mit dem Rennrad gibt es ja eine geplante Strecke, die ich bewältigen möchte. Ich setze mir ein Ziel, und einmal auf dem Weg kann ich es mir nicht mehr anders überlegen. Ich kann nicht einfach absteigen, wenn ich mich zu sehr verausgabt habe. Ich kann nicht einfach die Schuhe ausziehen und ins Badezimmer hinübergehen, wie beim Indoor-Cycling. Ich muss mir meine Kräfte einteilen und bin ständig damit beschäftigt. Auch mit den Beobachtungen und Wahrnehmungen auf der Strecke. Auf den Autoverkehr, auf die aktuelle Geschwindigkeit oder einfach auf die spielenden Kinder in den Gärten.

Und es gibt zwei Anstiege auf meiner Rennrad-Hausrunde. Der erste ist steil und kurz und der zweite ist flacher und länger. Ich bin mir nicht sicher, welcher von beiden mir lieber ist. Wahrscheinlich der Zweite, denn danach geht es nur noch bergab oder geradeaus. Ich kann mich bei dem zweiten Anstieg also vollständig verausgaben und alles aus mir herausholen, sodass die Unterschenkel förmlich zucken.

Oben angekommen könnte ich die Radstrecke noch beliebig verlängern. Ich könnte noch ein paar Kilometer weiterfahren. Aber heute nicht. Heute möchte ich die erste Ausfahrt genießen. Ich möchte es nicht zu sehr übertreiben und entkräftet vom Rad fallen. Heute möchte ich einfach dahinrollen und bis nach Hause den Wind im Rücken spüren.

 

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