SWIM BABY, SWIM


Mit einem kräftigen Ruck stoße ich mich vom Beckenrand ab. Knapp unter der Wasseroberfläche gleite ich einige Sekunden mit den Armen voraus. Der Kopf bleibt neutral, also in Verlängerung der Wirbelsäule. 

 

Nach ein paar Sekunden ziehe ich den rechten Arm im Wasser zurück und automatisch neigt sich auch der Kopf auf der rechten Seite aus dem Wasser. Ruhig atme ich aus und ein. Dann tauche ich den Kopf wieder unter Wasser und rotiere mit dem Oberkörper ein paar Zentimeter nach links. Der gestreckte rechte Arm taucht ins Wasser ein und gleichzeitig ziehe ich den linken Arm unter dem Wasser zurück. Ich versuche ganz ruhig zu bleiben und langsam gleite ich im Wasser vorwärts.

„Nicht zu hastig!“ hat mich meine Schwimmlehrerin immer wieder ermahnt. Ich musste erst lernen, ruhig und ohne Kraft zu schwimmen. Lange Zeit war ich der Meinung, je kraftvoller ich schwimme, desto besser und leichter ist es für mich. Es war ein langer Weg von der ersten Schwimmstunde bis zum heutigen Training. Aber ich denke, jetzt habe ich es kapiert, auch bezüglich des Auftriebes und der Wasserlage. Der Auftrieb ist die Kraft, die von unten gegen einen ins Wasser getauchten Körper wirkt. Wenn das Körpergewicht und das Gewicht der verdrängten Wassermenge gleich groß sind, schwebt der Körper im Wasser. Das ist das Ziel und die Voraussetzung für das schwerelose Gleiten im Wasser. Ich versuche immer, den Kopf, die Schultern, Hüfte und Füße möglichst in einer flachen Linie zu halten.

„Und nur dieser kleine Bruchteil einer Sekunde reicht, meine Konzentration zu vernachlässigen.“

Nun bin ich am anderen Beckenrand angekommen. Ich wende und versuche ebenso ruhig wieder zurück zu schwimmen. Es gelingt mir nicht mehr ganz so gleichmäßig wie auf den ersten fünfundzwanzig Metern. Aber ich versuche die Konzentration hoch zu halten und nicht zu sehr auf andere Details zu achten. Der Schwimmer auf der Nebenbahn hat wesentlich kräftigere Züge und überholt mich mit einer Leichtigkeit, die mich selber wieder etwas zweifeln lässt. Und nur dieser kleine Bruchteil einer Sekunde reicht, meine Konzentration zu vernachlässigen. Und aufgrund dieser einzigen Unachtsamkeit hebe ich den Kopf etwas zu weit aus dem Wasser und automatisch biege ich die Wirbelsäule zu einem Hohlkreuz. Ein kräftiger Zug mit dem linken Arm gibt mir aber wieder die Sicherheit und Ruhe. Entspannt atme ich wieder auf der rechten Seite aus und ein und schwimme die Länge fertig.

„Und wenn ich das erste Unterwasser-Video und meine heutige Technik vergleiche, bin ich zuversichtlich, die Distanzen kontinuierlich zu verlängern.“

„Am Anfang ist es noch schwierig, aber wenn du diese Phase überstanden und deine Kraultechnik automatisiert hast, kannst du leichter immer weiter schwimmen.“ erklärte mir ein Kollege, der regelmäßig pro Einheit an die drei Kilometer schwimmt. Und wenn ich das erste Unterwasser-Video und meine heutige Technik vergleiche, bin ich zuversichtlich, die Distanzen kontinuierlich zu verlängern.

Aus diesem Grund versuche ich jetzt wieder meine Kraultechnik etwas zu automatisieren. Die „Abklatschtechnik“ hat meine Wasserlage in den letzten Schwimmeinheiten am meisten stabilisiert. Dabei lege ich den rechten Arm auf die linke gestreckte Hand und erst danach ziehe ich den linken Arm zurück und klatsche ihn wieder auf die rechte gestreckte Hand, mit der ich mein Pull Buoy halte.

Mit dem Hilfsmittel merke ich natürlich sofort, wie sich dadurch meine Lage im Wasser verbessert und das Absinken der Schultern wird dadurch ebenfalls vermieden. Allerdings schwimme ich dabei wesentlich unruhiger und merke wie die Wellen auf meiner Bahn etwas heftiger kräuseln. Zum Glück glätten die „Absperrungen“ zwischen den einzelnen Bahnen die Wogen wieder.

Nach einigen Längen trainiere ich wieder ohne Pull Buoy und irgendwie habe ich das vage Gefühl heute einen kleinen Fortschritt gemacht zu haben.  Nach einer knappen Stunde im Wasser beende ich das Schwimmtraining und ich fühle mich immer noch frisch und munter. Und nebenbei habe ich auch meine Rückenmuskulatur gestärkt. Und das ist ja das eigentliche Ziel meiner Schwimmeinheiten.

 

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