AN TAGEN WIE DIESEN… FEBRUAR 2018

Der Blick aus dem Fenster zeichnet mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Auf dem Auto liegt fast ein halber Meter Neuschnee.

 

Was mich früher geärgert hätte, macht mir heute gar nichts aus.  Im Gegenteil mit Vorfreude kehre ich den vielen Schnee vom Auto.

„Die ersten Schwünge ziehen sich fast von alleine auf der perfekt präparierten Piste.“

Der Schnee knirscht unter meinen Schischuhen und bald sitze ich wieder im Doppelsessellift. Hinauf geht’s auf den knapp zweitausend Meter hohen Gipfel. Dann tauche ich wieder ein in die Welt der zwei Bretter.  Es ist pures Schivergnügen mit herrlich blauem Himmel. Unten war es noch bewölkt. „Owa om kimmt sicha d´Sunn ausse.“ prophezeite die Verkäuferin durchs Schikartenverkaufs-Fenster.

Sie sollte recht behalten. Die ersten Schwünge ziehen sich fast von alleine auf der perfekt präparierten Piste. Oft war ich schon hier und gerne komme ich immer wieder her in das kleine, so ursprünglich wirkende Schigebiet. Aber bald merke ich, wie auch hier der Tourismus immer mehr Einzug hält und der kleine malerische Ort an Ursprünglichkeit verliert. Die Chalets und Appartements schießen auch hier wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden. Wo früher noch ein Wald die Böschung säumte, sind heute kitschig arrangierte Hütten entstanden.  Schon an der Talstation sind mir die neuen Bauten aufgefallen. Aber auch in den Speisekarten ist die Veränderung sichtbar. Anstelle der klassischen Würstel mit Saft oder Fleischstrudelsuppe gibt’s jetzt Pizza und Burger. Und als Dessert einen Almstriezel anstatt meiner favorisierten „Topfntatschi“.

„Die Dialekte vermengen sich“

Aber mindestens ein Hüttenwirt hält hier noch die Fahne hoch. Mit Handschlag begrüßt, fühlt man sich sofort willkommen wie im eigenen Wohnzimmer. Man setzt sich dort wo Platz ist. Auch wenn kein Tisch frei ist. Zwängt man sich eben ein wenig zusammen. Die Dialekte vermengen sich. Neben dem Pinzgauerischen hört man nordisches Plattdeutsch. Und am Nachbartisch schnappe ich die bayerische Mundart neben der vornehmsten Hochsprache aus einem Wiener Innenstadtbezirk auf. Vor der Bestellung werden erst noch einige Anekdoten zum Besten gegeben.

 

 

Viele Fotos an den Wänden zeugen von Geselligkeit und ausgelassener Stimmung. Der Spaß soll hier die Alltagssorgen vertreiben. Und wem es dabei zu langsam geht, kann es mit einem „Oachkatzlschwoaf“ oder „Hugo“ beschleunigen. Hüttengaudi.

„Sind das etwa schon die zukünftigen Weltcupsieger?“

Tempo raus, Genuss rein ist das Motto des offiziell kinderfreundlichsten Schigebietes. Natürlich halte ich mich daran. Nur bei der eigens abgeschirmten Rennstrecke kann ich mich nicht zurückhalten. „Permanent race course – free charge for everbody“ lese ich auf dem Hinweisschild. Und schon finde ich mich in dem kleinen Starthäuschen wieder. Lange ist es her, dass ich gegen die Stoppuhr ein Schirennen gefahren bin. Rotes Tor, blaues Tor, nach zwanzig Toren stoppt die Zeituhr. Die Schifahrer einer Jugendmannschaft nehmen mir auf der kurzen Piste rund acht Sekunden ab. Ich bin eben doch nur ein Freizeitathlet und kein Rennläufer.

 

 

Tempo raus ist auch die Devise eine kleinen Nachwuchsgruppe der örtlichen Kinderschischule. Langsam aber sicher und voller Euphorie kurven sie der Schilehrerin hinterher. Sind das etwa schon die zukünftigen Weltcupsieger? Eher nein. Ich denke, sie wollen einfach nur Schifahren lernen. Obwohl ich aus zuverlässigen Quellen weiß, dass in dem einem oder anderen Kinderzimmer ein Poster der im Moment alle überragenden US-amerikanischen Slalomfahrerin über dem Bett hängt. Aber Vorbilder hatten wir alle.

Am Dachsteinmassiv spiegelt sich schon die Abendsonne wider. Die letzte Abfahrt kündigt sich an. Nach einem kurzen Schwatz mit dem Liftwart setze ich die letzten Kurven in den Schnee und etwas müde schwinge ich an der Talstation ab.

Und irgendwie kommt mir das bekannte Lied in den Sinn: „Zwoa Brettl, a gführiger Schnee, juchee, des is hoit mei höchste Idee…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.