RESET

 

Auf diesen Tag habe ich schon lange gewartet. Die letzten Monate waren geprägt von Ungewissheit, Zweifelhaftigkeit und Unbeständigkeit. Kaum schöpfte ich wieder neuen Mut mit meinem Lauftraining neu durchzustarten, erklärte mir mein Knie sinngemäß: “Es ist noch zu früh! Bitte warten!“ Es ist selbsterklärend, dass die Laufmuskulatur und die Ausdauerfähigkeit nach dieser langen Trainingspause kontinuierlich abnehmen. Sicher, habe ich versucht alternative Trainingseinheiten zu absolvieren, ja, abzuarbeiten. Und ich hatte teilweise dabei auch das Gefühl, dass es Arbeit ist, wenn man zuhause auf der Turnmatte die Trockenübungen abzählt. Aber meine Leidenschaft ist die Bewegung draußen, das Laufen in freier Natur: über Wiesenwege, über kleine Pfade auf den Feldern, auch auf Kieselwege oder am See entlang und auf einen Berg hinauf.

Und in den letzten Wochen spürte ich auch wieder, dass ich nun meinen Körper schön langsam wieder mehr Belastung zumuten konnte. Das Knie reagierte nicht mehr so beleidigt. Ich konnte es mit der Zeit wieder mehr beanspruchen, ohne dass es danach schmerzte.

Mit diesem Hoffnungsschimmer auf Verbesserung und dem inneren Drang nach Bewegung im Freien versuchte ich wieder eine kontinuierliche Trainingswoche mit fünf Trainingstagen zu bestehen.

Begonnen hat es mit einem sehr langsamen Lauf über acht Kilometer. Es war ein schnelleres Spazierengehen. Aber ich fühlte mich danach nicht sonderlich müde. Das war vor sechs Tagen.

„Ich merkte dabei aber auch, dass ich noch nicht ganz rund lief.“

Am nächsten Tag wagte ich mich an meine 10-Kilometer-Hausschleife, welche ich sicher schon hundertmal gelaufen bin. Zu jeder Tageszeit, mit unterschiedlichster Tagesverfassung und auf der ich schon sehr schnell aber auch mal nur zum Auslockern gelaufen bin. Ich startete vorsichtig und versuchte gerade am Beginn nicht zu schnell loszulaufen. Pace 5:30. Nach zwei Kilometer kam ein Anstieg von knapp siebenhundert Meter, da nahm ich nochmal etwas Tempo heraus. Und auf der langen Geraden fühlte ich mich großartig. Automatisch wurde ich schneller und schneller. Pace 5:10. Ich merkte dabei aber auch, dass ich noch nicht ganz rund lief. Der linke Fuß setzte etwas vorsichtiger am Boden auf und somit wurde auch der rechte Oberschenkel stärker belastet. An der 5-Kilometer-Marke hatte ich noch immer das Gefühl beschleunigen zu können. Aber zehn Minuten später war es auch schon wieder vorbei mit der Euphorie. Ich merkte wie mir schön langsam die Luft ausging. Automatisch wurde ich wieder langsamer und langsamer. Und irgendwie war ich am Ende froh, dass die zehn Kilometer zu Ende waren. Am Samstag, den nächsten Tag lief ich wieder sehr gemütliche acht Kilometer. Ich merkte die Trainingsbelastung vom Vortag. Ich war noch etwas erschöpft und schnell wurde mir klar, dass es wieder ein langer Weg werden würde, bis ich wieder in die Nähe meiner früheren Distanzen kommen könnte.

“ Ich startete sehr, sehr vorsichtig. Pace 6:00 und es würde auch nicht viel schneller werden.“

Aber ohne Fleiß kein Preis und deshalb versuchte ich am Sonntag einen 20-Kilometer-Lauf. Ich startete sehr, sehr vorsichtig. Pace 6:00 und es würde auch nicht viel schneller werden. Ich versuchte einfach Kilometer für Kilometer zu laufen. Das Wetter war zusätzlich sehr fordernd. Mein T-Shirt war eigentlich nach einer halben Stunde schon durchgeschwitzt. Aber zum Glück hatte ich genug zum Trinken mit. Ja, dieser Lauf war ein ständiges Hoch und Tief für mich. Gleich zu Beginn war es sehr schweißtreibend, danach merkte ich dass ich ja trotz zunehmender Erschöpfung schon seit einem dreiviertel  Jahr (Frankfurt-Marathon. Anm. der Redaktion) nicht mehr so lange gelaufen bin. Und mit den Trinkpausen dazwischen konnte ich wieder mal die Halbmarathon-Distanz überschreiten. Das war ein absoluter Fortschritt für mich!!! Natürlich war ich erledigt und erschöpft, und ich spürte auf den letzten Kilometern wieder einen leichten Druck. Aber immerhin war es schon der vierte Tag am Stück, an dem ich wieder trainieren konnte.

Montags legte ich eine Laufpause ein. Die war auch unbedingt notwendig. Heute riskiere ich allerdings wieder eine lockere  „Zehnerschleife“. Uuiii, die Muskulatur meldet sich gleich. Es sticht an allen unmöglichen Stellen. Ganz langsam trabe ich dahin. Manchmal meldet sich auch das Knie wieder, trotzdem kann ich die letzten Tage als eine Art „Reset“ bezeichnen. Vor einem Monat wären fünf Trainingstage innerhalb einer Woche noch undenkbar gewesen. Und ich bin wirklich froh, dass ich wieder gemütlich durch die Landschaft traben kann. Und es ist mir auch bewußt geworden, dass ich still und heimlich in den letzten Monaten sieben Kilogramm zugenommen habe. Auch hier habe ich noch Verbesserungspotenzial, das ich rasch umsetzen …..kann, will, muss….

 

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