SCHOBER


„Mit jedem Höhenmeter verändert sich die Welt.“ erklärt Franz Xaver Karl im Kulturmagazin des Bayrischen Fernsehens.

 

Es handelt sich dabei um den Beitrag „Sehnsuchtsort Alpenhütte“. Und er schildert es am Beispiel der Priener Hütte im bayrischen Chiemgau. Ohne Handy, Glätteisen oder Fernseher, aber vielleicht sogar mit Warmwasser und die gleiche Decke für alle.

„Die Welt wird karger, klarer.“ wird in dem kurzen Film weiter erzählt. Und ich überlege derweil: “Das wäre ja wieder mal eine gute Idee auf einen kleinen Berg zu steigen.“ Sozusagen Bergsteigen.

„Es ist wirklich ein Prachtwetter und voller Vorfreude starte ich vom Parkplatz.“

So bereite ich mir für heute meine alten Bergsachen vor und hole auch die alten Bergschuhe „Modell Siebziger Jahre“ aus dem Keller. Frühmorgens geht’s also los. Für den kurzfristigen und kurzen Aufstieg habe ich mir den Schober, in den Salzkammergut-Bergen an der Grenze zu Oberösterreich und Salzburg ausgewählt. Es ist wirklich ein Prachtwetter und voller Vorfreude starte ich vom Parkplatz.

Ich hatte schon befürchtet, dass um diese Jahreszeit der Aufstieg noch eisig und teilweise ganz schön rutschig sein kann. Ich wähle die Normalroute und nach den ersten Metern wird meine Befürchtung auch gleich bestätigt. Vor allem im Wald, wo die Sonne noch wenig Kraft hat ist der feste Schnee noch beinhart und in den frühen Morgenstunden fast wie Schmierseife. Ansonsten wechselt es mit felsigem Terrain. Aber beim Glinserer Quergang ist doch Schwindelfreiheit und beim heutigen Wetter vor allem Trittsicherheit gefragt. Und nach gut der Hälfte hat man auch schon die erste kleine Belohnung mit dem Ausblick auf den Fuschlsee. Aber weiter geht’s und jetzt kommt der Teil mit den Drahtseilen und Trittklammern, welche im ausgesetzten Gelände als Hilfe in Felsen geschlagen wurden. Und heute sind sie mir eine große Hilfe.

„Die Kondition gibt ja das Tempo vor.“

Und während ich so konzentriert und vorsichtig hinaufsteige, merke ich gar nicht, daß der Aufstieg eigentlich sehr kurz ist, und ich deswegen auch schon bald oben bin. Wie angewurzelt stehe ich nun oben, neben dem Gipfelkreuz und genieße die herrliche Fernsicht. Es ist noch keine Menschenseele heroben. „Letzte Woche am Samstag war der Parkplatz gerammelt voll.“ erzählte mir gestern mein Bruder noch. Also ein beliebtes Ziel für Bergkraxler und ein bisschen Konditionsschinden kann man dabei auch. Die Kondition gibt ja das Tempo vor. Vor gut fünfzehn bis zwanzig Jahren, bin ich hier teilweise als Training noch hinaufgelaufen. Daran ist heute natürlich nicht zu denken.

Ich habe den Berg also ganz für mich allein. Es ist fantastisch. Die weite Fernsicht. Die Stille. Der Blick auf die fünf Seen… und auf mein nächsten geplanten „Gipfelsturm“ – in ein paar Wochen.

„Aber ich kenne hier fast jeden Meter auf dieser Route auswendig.“

Nach einer knappen halben Stunde wird mir doch ein wenig kalt, obwohl es eigentlich völlig windstill ist. So steige ich schön langsam wieder hinunter. Am Anfang geht’s auf allen vieren rücklings bergab. Anders ist es mir bei diesem eisigen Terrain einfach zu gefährlich. An vereinzelten Wurzeln und kleinen Vorsprüngen kann ich mich aber gut festhalten. Gerade gestern Abend habe ich noch im Buch von Kurt Diemberger von seinen Erlebnissen am Schicksalsberg K2 gelesen. Schonungslos wird dabei das Drama beim Abstieg von 1986 geschildert. Es ist natürlich überhaupt kein Vergleich, aber auch am Schober gab es schon schwerwiegende Abstürze und Unfälle.

Aber ich kenne hier ja fast jeden Meter auf dieser Route auswendig. Vereinzelt kommen mir einige kleine Gruppen von zwei bis vier Personen beim Hinuntergehen entgegen. Wir unterhalten uns kurz und bald bin ich auch wieder beim Parkplatz angelangt.

Und mit „Autobahn“ von La Brassbanda im Autoradio brettere ich dann wieder nach Mondsee zurück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.