RETROSPEKTIVE EINES MARATHONS

 

 

Meine Wettkampf-Schuhe stehen wieder fein säuberlich im Regal. Die Zwischenzeiten habe ich gründlich analysiert und den Trainingsplan dann in kleine Futzerl zerrissen. Den werde ich wohl nicht mehr verwenden können.


Der Frankfurt-Marathon ist somit abgeschlossen.  Am Ende bleiben die Emotionen, die noch verarbeitet werden müssen. Von wollen kann ja keine Rede sein.  Viele Eindrücke und Bilder geistern noch in meinem Kopf. Der berühmte Konjunktiv lässt mir einfach keine Ruhe: hätte und wäre. Die Fragen nehmen kein Ende. Wie wäre es verlaufen, wenn… Was wäre geschehen, hätte ich …

Darauf gibt es ja wohl viele Antwortmöglichkeiten. Klar ist hingegen, dass ich meine zweitschlechteste Zeit in einem Marathon gelaufen bin. Nur die Zeit bei meinem Debüt war noch langsamer: 3:54. Man setzt sich vor einer solchen Herausforderung ja immer mehrere Ziele. Die Wunschzeit, die realistische Zeit und die absolut langsamste Zeit. Und diese 3:54 sollen eben solange wie möglich bei einem Straßenmarathon diese schlechteste  Zeit bleiben. Auch in Zukunft.

„Aber geht man nicht auch zum Start mit der inneren Bereitschaft sich zu schinden?“

„Aufgeben!?“ Diesen Gedanken hatte ich schon nach knapp 23 Kilometer. Das war ja plötzlich völlig neu für mich. „Ich höre auf! Das ist das letzte Mal“ dachte ich mir immer wieder, als mich Läufer um Läufer überholten. Es wäre auch so einfach gewesen, einfach auszusteigen, einfach zur Seite gehen und am Straßenrand hinsetzen und auszuruhen.  Ja, es wäre so einfach gewesen, den Strapazen zu entkommen. Aber geht man nicht auch zum Start mit der inneren Bereitschaft sich zu schinden? Ist es nicht von Anfang an klar, dass es schwer werden wird? Und je länger ich dann lief, desto größer wurde die Zuversicht, es dann doch noch zu schaffen. Und ich wollte es ja unbedingt. Der Einlauf in die Festhalle war ja mein großes Ziel. Schon bei der Anmeldung habe ich mich darauf gefreut. Mit meinem Bruder habe ich noch darüber gescherzt, ich würde eine Ehrenrunde drehen. Am Ende konnte auch wieder schmunzeln darüber.

Ein DNF₁ war in einigen Momenten sehr verlockend. Aber, was mache ich beim nächsten Mal? Wenn es wieder schwierig wird, wenn sich wieder Krämpfe abzeichnen? Gebe ich dann auch wieder auf? Die Wahrscheinlichkeit wäre natürlich um ein vielfaches höher. Und die Enttäuschung wäre auch immens. Ich würde weiter mit mir hadern. Ich würde mich dann eventuell sogar fragen, weshalb ich es nicht verhindert habe. Eben, und so schließt sich dann doch der Kreis.

„Es verlangt ein planvolles Training und vor allem verlangt es absolute Fitness.“

Aber was habe ich daraus gelernt? Ja klar, ich muss mich einfach besser vorbereiten. Habe ich den Marathon etwa auf die leichte Schulter genommen? Habe ich etwa vermutet, es wird schon irgendwie gehen? Meine beiden vorigen Marathons mit 3:02 und 3:09 haben mir irgendwie das Gefühl gegeben. Auch damals hatte ich während der Vorbereitung einige Wochen Trainingsausfälle. Aber ich konnte noch von dem Leistungsaufbau davor zehren. In Frankfurt hingegen war der Trainingsrückstand offensichtlich doch zu groß. „Wenn es einfach wär, würde es Fußball heißen“ witzelt man ja immer wieder. Ein Marathon ist eben doch kein Spaziergang. Es verlangt eine kontinuierliche Vorbereitung. Es verlangt ein planvolles Training und vor allem verlangt es absolute Fitness. Das bringt mich wieder auf den Ausgangspunkt zurück. Ich starte wieder bei null und werde wahrscheinlich keinen Marathon mehr bestreiten

₁ (did not finish)

 

2 thoughts on “RETROSPEKTIVE EINES MARATHONS

  1. Kann dich da verstehen. Ein DNF musste ich ja auch hinnehmen – wegen dem Knie! Es ging einfach keinen Schritt mehr weiter. Da kommt dann irgendwann die Angst durch, dass man es nie wieder hinbekommt eine gescheite Vorbereitung über die Bühne zu ziehen und/oder die Pläne für das nächste Jahr auch tatsächlich so umsetzen zu können, wie man sich das zurechtgelegt hat. Da kommen Frust und Angst gleichermaßen hoch.

    Und was soll ich sagen, ich habe auch immer noch „Läuferknie“. So richtig weggehen will das auch nicht (immerhin schon über 2 Monate her). Ich spüre es leider auch noch im Alltag, laufe derzeit 1, maximal 2 Mal die Woche und den Rest investiere ich in Stabilität und Bodyweighttraining. Dazu fängt plötzlich auch noch das Innenband des Knies an zu spinnen. Langsam frage ich mich, ob ich nicht doch mal einen Arzt aufsuchen sollte. Der wird mir aber höchstwahrscheinlich auch nur zu einer Laufpause raten. So wirklich aktiv kann man da nichts machen, außer stabilisieren und die Entzündung/Reizung durch die Zeit heilen lassen.

    In der Theorie glaube ich jedoch (nicht gerade optimistisch ich weiß), dass sowas dann ja immer wieder kommen müsste. Denn wenn die Sehne immer wieder gerieben hat, dann müsste sie es ja sonst auch getan haben und auch noch in Zukunft tun? Und somit würde es irgendwann wieder zu Schmerzen kommen So richtig verstehen tue ich diese ganze Läuferknie-Geschichte nicht.. 🙁

    LG,
    Jamie

  2. Ja, mir geht es ähnlich. Bei mir sind es knapp drei Monate, seit ich diese „blöde“ Verletzung habe. Meine ganzen Ziele und Pläne für 2017 hab ich jetzt mal über Bord geworfen. Ich habe nämlich auch die Befürchtung, dass es sonst irgendwie nie gut wird. Ich habe jetzt beschlossen, dass ich gänzlich mit dem Laufen pausiere, bis ich wieder völlig schmerzfrei bin. Außerdem habe ich einiges an meiner Ernährung geändert, was den Genesungsprozess ein wenig beschleunigt. Ich hoffe es zumindest. Also, wir lassen uns nicht unterkriegen. 😉

    LG, Robert

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