AN TAGEN WIE DIESEN… OKTOBER 2016

„Zuerst kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“ dieser Lehrsatz von Jürgen Wegmann trifft mehr oder weniger genauso auf mich zu. Ja, richtig geraten, mein Knie macht immer noch enorme Probleme. Sicher habe ich es beim Jedermannlauf etwas herausgefordert, aber es wurde von mir auch vorher ausführlich abgewogen. Alle Für und Wider in Erwägung gezogen. Und dieser Lauf war ja auf eine Art auch eine besondere Herzensangelegenheit.

Natürlich habe ich die Verletzung am Knie während des Laufes in Salzburg etwas gespürt. Anfangs kaum fühlbar, danach hat der leichte Schmerz etwas zugenommen und auf den letzten Kilometern war es merklich belastender. Aber im Ziel überschwemmte das Adrenalin und die Begeisterung die Stiche in der Knieaußenseite. Ein Training war jedoch an den darauffolgenden Tagen nicht zu denken. Und jetzt bin ich endgültig beim Thema Pech angelangt, denn diese Tage mit den Stichen am Knie dauerten gewissermaßen fast zwei Wochen lang. Und das in der intensivsten Phase der Vorbereitung für den Marathon am 30. Oktober. Gestern hatte ich erstmals das Gefühl, es hätte sich gebessert. Also worauf warten? Ich versuche es wieder.

„Meine Stimmung passt sich der Temperatur an diesem frühen Morgen an.“

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie aufgeregt ich das heutige Training starte. Es geht schon wieder mal um die etwaige Absage an einem Marathonlauf, den ich lange im Voraus plante, auf den in gespannter Erwartung hintrainierte. Die Vorfreude war natürlich dementsprechend.

Meine Stimmung passt sich der Temperatur an diesem frühen Morgen an. Es ist noch saukalt und der Wind bläst mir ungemütlich um die Ohren. Der erste Kilometer. Die Nervosität und die Anspannung ist buchstäblich zum Greifen nah. Und meine Stimmung bleibt unterkühlt. Es ist nicht wie es sein soll. Es ist ein deutlicher Unterschied zum gesunden Knie spürbar. Dann der zweite Kilometer. Es wird nicht besser. „Könnte ich so einen Marathon durchlaufen?“ überlege ich die ganze Zeit. Die Zielzeit in Frankfurt ist schon lange kein Thema mehr, sondern ich möchte einfach nur mitmachen, die Stimmung genießen, den Lauf genießen, die Emotionen mit nach Hause nehmen. Nicht mehr und nicht weniger. Aber darüber schwebt eben noch die bange Frage: „Kann ich überhaupt mitmachen oder muss ich schon wieder absagen, wie im letzten Jahr in Berlin?“ Die Antwort bleibt offen. Noch.

Der dritte Kilometer bringt eine Entscheidung. Nein. Eine Vorentscheidung, denn endgültig entscheiden werde ich es frühestens ein paar Tage davor. Aber die Stiche nehmen wieder zu. Die Stimmung ist am Nullpunkt. Ich breche ab. Vorsichtshalber. Es ist zum Verrücktwerden. Enttäuscht gehe ich die paar Kilometer wieder zurück. Beim Gehen verschwindet der Schmerz wieder, als hätte es ihn nie gegeben. Das Knie ist auch nicht geschwollen. Es verbleiben noch fünfzehn Tage bis zum Start auf der Mainzer Landstraße. Also Kopf hoch, denn „die Hoffnung stirbt zuletzt!“

One thought on “AN TAGEN WIE DIESEN… OKTOBER 2016

  1. Oh man..ich fühle mit dir. Bei mir ist es ganz ähnlich, nur mittlerweile zu einem erträglichen Maße zusammengeschrumpft (solange ich es nicht übertreibe zumindest). Dieses ständige in sich-hineinhorchen geht aber gehörig auf den Keks und so richtig belasten ist auch kontaproduktiv. Sprünge mache ich keine mehr (im wahrsten Sinne des Wortes..), vor allem Downhill vermeide ich jegliches Gehüpfe und irgendwann kommt dann auch der Punkt an dem ich spüre, dass 1-2km mehr, das Aus bedeuten würden.
    Und ja, beim Gehen beruhigt es sich meist wieder, aber ich habe auch schon erfahren dürfen, dass selbst das Gehen keine Linderung verschafft, wenn es erstmal richtig schlimm ist. Mittlerweile verschwindet es wieder über Nacht so wie es dann beim Laufen kam. Weiche Trails sind toll, flach laufen eigentlich auch, nur auf Tempo gar nicht. Es ist zum Verrücktwerden..und ich habe es so im Gefühl, dass diese Sache mal wieder was richtig langwieriges werden wird, sodass ich wohl dieses Jahr noch am untersten Rand meiner Trainingsmöglichkeiten durch die Gegend dümpeln werde -_-
    Wünsche dir einen guten Heilungsverlauf und schreib ruhig mal ab und zu wie es dir damit ergeht.

    LG,
    Jamie

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