JEDERMANNLAUF

Ich kann mich noch ganz genau erinnern. An den kalten Oktobertag erinnern. Damals war es meine erste Teilnahme beim Salzburger Halbmarathon / Jedermannlauf. Und insgesamt war es erst mein zweiter Halbmarathon. Heute, siebzehn Jahre und geschätzte 30 Halbmarathons später freue ich mich auf meine zweite Teilnahme. Vieles hat sich seither geändert. Waren es früher etwa noch irgendwelche „Turnschuhe“, mit denen ich gestartet bin oder ein kraftvolles und ausgiebiges Frühstück zwei Stunden vor dem Bewerb. So sind es heute ausgewählte „Wettkampfschuhe“ und ein kleines Honigsemmerl und ein eigens abgemischtes Kohlenhydrat-Eiweißgetränk im Verhältnis 3:1. Aber ich versuche es trotzdem nicht allzu ernst zu nehmen, obwohl der Adrenalin-Pegel in so einer Situation automatisch ansteigt. Da kann ich gar nichts dagegen machen. Die Aufwärmrunde halte ich auch relativ kurz und zehn Minuten vor dem Start gehe ich von der Hofstallgasse in Richtung Universiätsplatz zur Startaufstellung.

Die Teilnehmer der österreichischen Staatsmeisterschaft im Halbmarathon haben sich ganz vorne aufgereiht. Ich ordne mich im zweiten Startblock ein und pünktlich um 09:30 Uhr geht es endlich los. Große Erwartungen sind wegen des großen Trainingsrückstandes sowieso nicht vorhanden. Einfach wieder dabei sein, den Lauf – so gut es eben möglich ist – genießen und trotzdem versuchen nicht völlig einzubrechen. Das steht für mich im Vordergrund.

„Viele Erinnerungen von früher kommen hoch. LemonChili, Raschofer Hernau, Nawi-Festl, etc. Ich muß schmunzeln, ist ja schon so lange her.“

Am Anfang geht’s vom Start zum Alten Markt über den Residenzplatz und Kapitelplatz ins Kaiviertel. Da versuche ich mein Tempo zu finden, aber bei dem großen Starterfeld ist es schwierig. Es sind insgesamt drei Runden mit sieben Kilometer Länge zu absolvieren. Viele Teilnehmer haben sich auch für die Bewerbe über sieben oder vierzehn Kilometer entschieden, welche zeitgleich starten. Somit ist es gerade zu Beginn etwas schwieriger eine konstante Pace zu laufen. „Ich versuche nur irgendwie unbeschädigt aus der Altstadt hinauszukommen.“ meint die Läuferin neben mir. Ich stimme ihr zu und versuche dabei, meinen Vorderleuten nicht auf die Fersen zu steigen. So eng ist es heute. Dann hinab ins Nonntal, beim Erhard-Platz vorbei. Viele Erinnerungen von früher kommen hoch. LemonChili, Raschofer Hernau, Nawi-Festl, etc. Ich muß schmunzeln, ist ja schon so lange her.

„Ich habe nun auch das Gefühl, es läuft jetzt runder und flüssiger.“

Ich pendle mich bei etwa 4:30 Minuten pro Kilometer ein. Und irgendwie weiß ich nicht weshalb, aber ich habe das Gefühl, ich könnte auch nicht mehr sehr viel schneller laufen. Es fühlt sich einfach noch nicht richtig rund an. So versuche ich eben das Tempo zu halten und reihe mich hinten bei einer kleineren Gruppe ein. Dann ein Anstieg hinauf, ich laufe vorbei und ordne mich hinter der nächsten Gruppe ein. Ich merke aber, daß mir die kurze Bergauf-Passage doch etwas mehr Kraft gekostet hat, als eigentlich geplant. Ich versuche mich wieder zu sammeln und zum Glück gelingt es mir auch. An der Neutorstraße angelangt, weiß ich, daß die erste Runde bald beendet ist. Auf dieser langen, ebenen Passage geht es mir plötzlich auch wieder besser. Ich habe nun auch das Gefühl, es läuft jetzt runder und flüssiger.

„Ich merke nun, wo ich etwas dosieren muss und wo ich wieder Gas geben kann.“

Die zweite Runde beginnt und das Feld wird ein wenig dünner. Auch in der Altstadt kann ich jetzt mein eigenes Tempo laufen. Leichter Regen setzt ein und auf dem nassen Asphalt rutsche ich immer wieder ein wenig mit der Sohle weg. Aber ich weiß jetzt, dass ich wieder meinen alten Rhythmus gefunden habe. Auch wenn ich noch Welten von vergangenen Zeiten entfernt bin. Konzentriert bewältige ich so die zweite Runde. Ich merke nun, wo ich etwas dosieren muss und wo ich wieder Gas geben kann. Ich versuche allerdings immer noch genügend Körner für die letzte Runde zurückzuhalten. Ich möchte ja auf keinen Fall einbrechen oder sonst irgendwie mit mir kämpfen müssen.

„Das Ziel vor Augen schalte ich nochmals auf Vollspeed.“

Aber im vollen Speed durch Sigmundstor hinab, das geht immer. Dann über den Start/Zielbereich und auf geht’s zur letzten Runde. Es gelingt mir nun teilweise andere Läufer einzuholen oder auch zu überrunden. Das motiviert. Ich kann mein Tempo immer noch weiter laufen und habe jetzt wieder das Gefühl ich könnte auch noch etwas zulegen. Aber ich bleibe vorsichtig. Dann wieder die lange Gerade bis zum Hildmannplatz. Ich verschärfe das Tempo. Das Finale hinauf zum Sigmundstor. Und hinunter lass ich es laufen. Noch einen letzte Kurve, dann habe ich es geschafft. Das Ziel vor Augen schalte ich nochmals auf Vollspeed. Ein Blick auf die große Uhr. 1:33:26.

Ich habe zwar das Gefühl, alles gegeben zu haben, aber mehr war heute einfach nicht drin. Früher hätte ich wahrscheinlich besser gekämpft und gebissen, aber unter 1:35 wollte ich finishen, und das habe ich geschafft.

Statistik:

  1. Runde: 31:30
  2. Runde: 31:00
  3. Runde: 30:54

 

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