LANGER LAUF # 39 UND # 40

Das Gewissen kann so hinterlistig, ja, so heimtückisch sein. Immer wieder durchkreuzte es am vergangenen Wochenende meine Gedanken: „Du mußt trainieren! Du mußt trainieren! Du hast noch zu wenig trainiert!“ So oder ähnlich plagte mich das schlechte Gewissen. Was blieb mir also übrig? Obwohl die Beine noch müde und schwer waren. Wie ein Traktor stotterte ich also am letzten Sonntag die ersten Kilometer meiner langen Runde ab. Die Pace auf der Uhr wollte ich gar nicht prüfen, ich wußte auch so, dass ich kaum vom Fleck kam. Das Bedauerliche war jedoch, daß es sich nicht besserte. Eher im Gegenteil, je länger ich lief, umso beschwerlicher wurde es für mich. Und so beendete ich eben mit Gehpausen den langen Lauf.

„Es muss sich etwas ändern, das ist klar!“

Als ich dann endlich am Ausgangspunkt ankam, war ich natürlich extrem niedergeschlagen. Was lief falsch? Wenn das so weitergeht wird der Marathon in Frankfurt ein halbes Fiasko! An Endbeschleunigung war ja nicht mal zu denken. Ich hatte wirklich extreme Mühe die fünfunddreißig Kilometer zu beenden.

Es muss sich etwas ändern, das ist klar! Also wird erstmal die Zielzeit extrem nach unten korrigiert, zum Zweiten muß ich versuchen noch einige Dekagramm los zu werden, und zum Dritten muß ich mich auch auf die Trainingsläufe wieder besser vorbereiten.

Gesagt, getan. So beginne ich heute gut ausgeschlafen den langen Lauf. Die ersten Kilometer beginnen zwar – wie üblich – äußerst moderat, aber ich fühle mich einfach fitter, einfach dynamischer und erholter als letzte Woche an gleicher Stelle.

Der Sonnenaufgang ist wie gemalt und die erste Stunde ist rasch absolviert. „Nur nicht übertreiben, es wird noch ein langer Weg.“ Ich bleibe also vorsichtig. Und wirklich, nach der Halbmarathon-Distanz merke ich wieder, daß mein Tempo automatisch etwas nachläßt. Aber ich lasse mich nicht beunruhigen. Ich laufe einfach weiter. Eben ein bißchen langsamer. Ich versuche so wenig Kraftaufwand wie möglich zu betreiben. Schließlich möchte ich heute auf den letzten Kilometern  die Pace noch auf mein „aktualisiertes“ Marathon-Renntempo erhöhen. Um wenigstens einen kleinen Erfolg verbuchen zu können.

„Ich befinde mich jetzt also wieder im Rennmodus.“

Dann ist es soweit. Ich lege meinen Trinkgurt beiseite und beschleunige um etwa 45 Sekunden. Ich befinde mich jetzt also wieder im Rennmodus. Der erste Kilometer im beschleunigten Tempo gelingt mir schon mal ganz gut. Das lässt mich hoffen! Der Zweite ist auch „schnell“ vorbei. Beim Dritten wird es allerdings schon wieder mühsamer. Aber ich möchte solange wie möglich durchhalten. Das ist heute meine Strategie. Wenigstens fünf bis sechs Kilometer in Marathonpace Vollgas geben, und dann noch bis zum Auto auslaufen.

Ich beiße also die Zähne zusammen und versuche mit aller Kraft die fünf Kilometer durchzuhalten. Bis zum erlösenden Signal meiner Uhr. Dann verlangsame ich schließlich das Tempo. Aber irgendwas ist jetzt anders. „Ach, du dickes Ei!“ denke ich, als ich mein linkes Knie sehe. Es ist leicht angeschwollen. Und jetzt merke ich auch, daß es ein wenig schmerzt. Ich gehe die letzten Meter zum Auto und hoffe, daß die Verletzung nicht wieder akut wird. Darum wird jetzt logischerweise eine Laufpause eingestreut – bis die Schwellung wieder abgeklungen ist.

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