HÖHENMETER

 

Heute bin ich in Forchtenstein, es ist Freitagnachmittag und ich habe mich dieses Mal für einen Lauf mit ein paar Höhenmetern entschieden. Mein Ziel liegt weiter oben auf dem Heuberg an der Rosalienkapelle.

Die Herausforderung für diese Trainingseinheit ist nicht die Distanz, sondern eher das Streckenprofil. Vom Start weg verläuft die Straße stetig nur bergauf. Also bleibt mir keine Pause, also keine Sekunde zum Ausrasten. Nur Stehenbleiben wäre eine Möglichkeit, um wieder etwas zu Verschnaufen  – aber das ist wahrlich keine Option. Deshalb gilt es von Beginn an langsam anzulaufen und die Kräfte gut einzuteilen.

„Die anfängliche Vorsicht geht nun schön langsam in bescheidener Euphorie über.“

Und der erste Kilometer klappt ja schon mal ganz gut, aber ich stelle mich bereits auf das Schlimmste ein. Erstens weiß ich nicht genau, wie weit es insgesamt ist, bis zur Kapelle. Und zweitens ist es im Moment noch vergleichsweise flach. Aber der zweite Kilometer gelingt mir auch noch ganz gut. Ich bin ja auch überaus vorsichtig und könnte noch jederzeit zusetzen. Aber die Serpentinen werden immer enger und enger und ich schlängle mich Meter für Meter langsam hinauf. Auf den nächsten beiden Kilometern kommt jetzt so etwas ähnliches wie ein inneres Erfolgsgefühl auf. Die anfängliche Vorsicht geht nun schön langsam in bescheidener Euphorie über. Ich müsste ja nun bald mal die Hälfte erreicht haben. Und das anfängliche Tempo kann ich immer noch ganz gut halten. Vielleicht bin ich um zehn Sekunden langsamer geworden, aber vor dem Start befürchtete ich ja weitaus Schlimmeres. Ich rechnete mit einer Pace von acht Minuten. Tatsächlich bewege ich mich aber so zwischen 5:40 und 5:50. Noch!

“Bleib am Boden, fünf Kilometer ist doch nicht weit!“ beschwichtige ich mich wieder selber.“

Kilometer fünf verläuft auch nicht schlechter. Ich genieße teilweise bereits etwas die Aussicht und mir wird klar, daß der große Einbruch vielleicht gar nicht kommen wird. Aber: “Bleib am Boden, fünf Kilometer ist doch nicht weit!“ beschwichtige ich mich wieder selber. Und prompt wird mein Atem schon etwas schwerer, ich kratze jetzt an der Sechs-Dreißig-Minuten-Marke. Allerdings rückt das Ziel immer näher, und ich wußte ja, daß es nicht einfach wird.

„Das Tempo, das ist in Ordnung, so kann es weitergehen!“ Die Freude und die Euphorie überwiegt immer noch. Bald habe ich es geschafft. Ich kann die Kapelle von unten schon erspähen. Es ist nicht mehr weit. Immer wieder prüfe ich die GPS-Uhr. Mein Tempo pendelt jetzt so zwischen 6:20 und 6:30.

Und dann der letzte Anstieg. Kurz vor dem Parkplatz muss man von der Straße rechts abbiegen. Das steilste Stück liegt jetzt vor mir. Die letzten paar hundert Meter. Ich gebe nochmal alles und schließlich und endlich habe ich es geschafft. Ich bin am Ziel angelangt.

Ich konnte den letzten Sommertag im September am freien Nachmittag nochmal richtig gut mit einen wirklich abwechslungsreichen und lässigen Trainingslauf „genießen“.

 

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