LANGER LAUF # 35 UND …

… man soll die Feste feiern, wie sie fallen! Aber dazu ist eine kurze Rückblende erforderlich. Es beginnt bereits vier Tage davor. Der Ultralauf wirft bereits seinen langen Schatten voraus. Der Respekt vor meiner nächsten Teilnahme beim Scenic55 wird immer größer und größer. Es war allerhöchste Zeit – wieder – einmal einen längeren Lauf zu riskieren.

Um 6:37 Uhr ging es los. Weix begleitete mich dabei. Das fand ich natürlich super, denn zu zweit ist es bei einer langen Trainingseinheit über drei Stunden wesentlich abwechslungsreicher und kurzweiliger in den verschiedenen Bezirken herumzulaufen. Die Strecke wurde auf den ersten Metern kurz definiert und prompt nahmen wir auch gleich die falsche Abzweigung. Wir liefen auf den ersten Kilometern querfeldein über Stock und Stein. Erst kurz hinauf, dann hinunter und schon wieder hinauf. Dabei knickte ich im feuchten Erdreich mit dem linken Fuß kurz um. Ein falscher Schritt, dann ein leichter Stich, dem keine größere Beachtung geschenkt wurde, und flugs ging es in der angenehmen Morgenluft weiter hinauf. Danach erreichten wir die erste Bergwertung und nach sieben bis acht Kilometer war das Shirt schon richtig gut angeschwitzt.

„Und so freuten wir uns nach ziemlich genau 40 Kilometer und 3:26 Stunden später auf die verdienten Erfrischungen.“

Danach begab sich mein Puls wieder in ruhigere Bereiche und der Laufschritt wurde auch wieder flüssiger. Die Gesprächsthemen waren sehr vielfältig und somit wurden die ersten fünfundzwanzig Kilometer relativ problemlos absolviert. Allerdings wurde dabei die Sonne immer stärker und unangenehmer und das erste leichte Ziehen am linken Fuß unterhalb des Knöchels machte sich bemerkbar.

Plötzlich sahen wir eine Fronleichnamsprozession direkt vor uns. Kurzerhand kehrten wir um und fanden einen anderen Weg, um den Festzug nicht zu stören. Mehr als drei Stunden waren jetzt vergangen und die Schritte wurden immer langsamer und schwerfälliger. Aber das Ziel war nicht mehr weit. Und so freuten wir uns nach ziemlich genau 40 Kilometer und 3:26 Stunden später auf die verdienten Erfrischungen.

Erst zuhause wurde mir bewusst, dass der zunehmende Schmerz mit dem unbedachten Umknicken zu Beginn zusammenhängen musste. Denn gerade der linke war ja mein unversehrter Fuß.

Deswegen achtete ich darauf, die betreffende Stelle in den darauffolgenden Tagen zu schonen und einige Übungen für die Athletik zu machen.  Und tatsächlich konnte ich am Abend die Schmerzen mit der Rolle „wegmassieren“. Es war nur ein kurzfristiger Rückschlag, denn auch die Wiederholungen am nächsten Tag zeigten nochmals ihre Wirkung und ich war wieder völlig schmerzfrei. Ich war erleichtert, schließlich wäre ja bald wieder ein langer Lauf geplant. Aber vorher durfte ich noch bei einer Hochzeit mitfeiern.

„Ich bin noch so müde, ich kann heute sicher keinen langen Lauf absolvieren.“

Die Feier war sehr lustig und dauerte dementsprechend lang. Nach Mitternacht bereitete ich mir aber noch den Energieshake vor, damit es am nächsten Morgen für die lange Einheit schön kühl und erfrischend war.

Jetzt. Sonntagmorgen. Ich wache auf. Der Wecker steht auf sechs Uhr. „Ich bin noch so müde, ich kann heute sicher keinen langen Lauf absolvieren.“ Der Wille ist da, aber die Schläfrigkeit ist stärker. So wird der Wecker sofort auf „Mute“ geschaltet und ich münze das heutige Training auf ein paar Bergintervalle um.

Siebenhundert lange Meter bergauf. Und das sechsmal hintereinander. Heute gestalte ich das Training allerdings etwas gemächlicher, denn die lange Nacht hat doch ihre Spuren hinterlassen.

Übermorgen ist ein Tempolauf geplant und in vier Tagen möchte ich die Bergauf-Intervalle mit etwas höherer Intensität wiederholen.