BELASTUNGSPROBE

In den letzten drei Tagen stand wieder die erholsame Regeneration sowie einige Stabilitätsübungen ganz oben auf meiner Prioritätenliste. Nach dem langen Lauf, der mir meine läuferischen Grenzen aufzeigte, habe ich vorsichtshalber doch wieder auf den lockeren Modus umgestellt. Aufgrund der muskulären Probleme habe ich mir bis heute eine Laufpause verordnet und den Fokus auf die Übungen gelegt. Dazu habe ich die schwarze Rolle wieder ausgepackt.

Die „Behandlung“ mit der Blackroll lösen die sogenannten Faszien. Die Faszien unterstützen und schützen die meisten Strukturen im menschlichen Körper. Jeden Muskel, jeden Knochen, jeden Nerv und jedes Organ umgeben die Faszien wie ein dreidimensionales Netzwerk. Durch die Selbstmassage mit der Blackroll werden die Muskelverspannungen gelöst und die Durchblutung gesteigert. Somit fühle ich mich jetzt wieder fit und ausgeruht. Deshalb plane ich heute nochmals einen Tempodauerlauf im – eventuellen – Marathonrenntempo.

Ich starte ganz vorsichtig. Der erste Kilometer gilt noch der Aufwärmphase. Ab dem zweiten Kilometer erhöhe ich das Tempo. Aber nicht drastisch. Schließlich möchte ich heute doch gerne zehn Kilometer in einem Tempo durchlaufen können, von dem ich mir auch vorstellen kann, in elf Tagen den Marathonlauf absolvieren zu können.

„Ich merke sofort wie mein Puls steigt, und ich beginne auch schon ein wenig meine Tempoverschärfung zu bereuen.“

Nach einer halben Stunde geht es mir noch ziemlich gut. Ja, zugegeben, nach fünf Kilometer sollte das so kurz vor dem Wettkampf auch wirklich kein Problem darstellen. So beschließe ich kurzerhand an der der nächsten Kreuzung die Runde um zwei Kilometer zu verlängern. „Heute fühle ich mich wirklich wieder großartig!“ jubiliere ich innerlich. Ich balle die rechte Faust. Ich bin top motiviert. Und in meiner Euphorie und meinem „jugendlichen Leichtsinn“ erhöhe ich meine Pace um fünf Sekunden.

An der nächsten Biegung spüre ich leichten Gegenwind. Ich habe jetzt etwas mehr als die Hälfte meiner geplanten Distanz absolviert. Nun geht es ein paar hundert Meter kaum spürbar bergauf. Ich merke sofort wie mein Puls steigt, und ich beginne auch schon ein wenig meine Tempoverschärfung zu bereuen. Aber es war ein kurzer „Schock“. Kaum laufe ich wieder auf der flachen Straße, pendelt sich mein Pulsschlag wieder bei der gewohnten Höhe ein. Ich bin erleichtert.

Aber die letzten beiden Kilometer fühlen sich jetzt doch so anstrengend an, wie eingangs befürchtet. Ich muss die Pace wieder um fünf Sekunden reduzieren. Am Ende habe ich doch noch Schwierigkeiten, gleichmäßig zu laufen.

Dieser Lauf sollte als letzte Prüfung dienen. Ich konnte noch ein wenig Selbstvertrauen tanken und nun versuche ich an den verbleibenden Tagen noch gut zu regenerieren. Zusammenfassend lässt mich dieser Lauf wieder zuversichtlich auf meinen neunten Marathonlauf – inklusive Ultralauf – blicken. Nach der schwierigen und unregelmäßigen Vorbereitung freue ich mich auf die bevorstehende Aufgabe!

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