ZUM DAVONLAUFEN

Es ist Freitagabend, 16:30 Uhr. Ich fühle mich schon wieder einigermaßen erholt von meinem letzten Wettkampf. Also genau der richtige Zeitpunkt für einen Trainings-Testlauf. Ich möchte einen 10-Kilometer-Wettkampf simulieren. Ja klar, ist das kaum möglich, wegen der äußeren Einflüsse, dem Adrenalin, den fehlenden Mitläufern, der unzureichenden Vorbereitung und so weiter und so fort. Aber ich versuche eben die Distanz heute so schnell wie möglich zu laufen. Es soll noch ein Anhaltspunkt werden.

„Vorher hatte ich noch das Gefühl, jederzeit schneller werden zu können.“

Eben mit der Bereitschaft, dass es wieder eine anstrengende Angelegenheit wird, starte ich nach einem Kilometer zum Einlaufen gleich durch. Es geht leicht bergab und ich versuche ein gleichmäßiges Tempo zu laufen. Anfangspace um die 4:10. Die ersten zwei, drei Kilometer gelingen mir noch recht gut. Ich versuche nicht hart zu laufen, sondern achte darauf, mit der Sohle immer gerade aufzutreten, die Arme gerade zu schwingen und den Oberkörper ganz leicht nach vorne zu neigen. Also insgesamt eine lockere, entspannte Haltung zu behalten.

Nach dem dritten Kilometer kommt eine Linksbiegung und sofort bläst mir wieder der Wind ins Gesicht. Vorher hatte ich noch das Gefühl, jederzeit schneller werden zu können. Jetzt dagegen muss ich mich schon anstrengen, das Tempo halten zu können.

Ich befinde mich nun auf einer breiten Straße und aufgrund des regen Autoverkehrs fällt es mir nun auch schwerer mich weiter zu konzentrieren. Die Autos lenken mich immer wieder ab. Alle paar hundert Meter kontrolliere ich die Pace auf der Uhr und ich bemerke, daß ich etwas langsamer wurde.

„Irgendwie habe ich das Gefühl, als hinge ich an einem Gummiseil.“

Zwei Kilometer später biege ich wieder ab und nun laufe ich durch eine Wohngegend. Es ist wieder angenehm ruhig. Die Anwohner schauen teilweise etwas verwundert, wenn ich ihnen entgegenlaufe, aber ich versuche weiter die Konzentration hoch zu halten. Es wird zunehmend anstrengender und ich sehne bereits das Ende des zehnten Kilometers herbei. Aber es liegen noch knapp viertausend Meter vor mir. Insgesamt habe ich noch etwas an Tempo verloren, doch das Wichtigste ist mir, dass ich nicht über 4:15 komme.

„Piieeep!“ der siebte Kilometer ist geschafft. Jetzt die drei ganz harten Kilometer. Irgendwie habe ich das Gefühl, als hinge ich an einem Gummiseil. Ich strenge mich immer mehr an, aber dennoch werde ich immer nur langsamer. „Es ist zum Verzweifeln!!“  ärgere ich mich innerlich. Doch das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Langsam macht sich etwas Resignation breit, aber ich versuche dagegen zu halten. Mit letzter Kraft.

Der vorletzte Kilometer ist für mich immer der härteste. Auch rein psychologisch gesehen. Ich bin dabei schon extrem ausgelaugt, obwohl es immer noch nicht der letzte Kilometer ist. Hingegen beim letzten Kilometer kann ich nochmal die alle Körnchen verpulvern. Das Ende ist ja bald absehbar. So ist es auch heute. Auf den letzten Metern kann ich mich trotz Müdigkeit nochmals überwinden und etwas beschleunigen.

Nach dem zehnten Signalton drücke ich die Uhr ab. Ich laufe noch einige Meter aus und atme tief durch. Dann der Blick auf die Uhr: genau 42 Minuten 15 Sekunden. Natürlich bin ich jetzt enttäuscht. Ich hätte mir eine bessere Zeit erhofft. Dieser Testlauf ist gehörig daneben gegangen. Aber so ist mir zumindest ein weiteres Mal bewusst geworden, dass ich nicht nachgeben darf. Jetzt ist es wichtig, weiterhin strukturiert und kontinuierlich zu trainieren. Es wird noch ein weiter Weg werden, bis ich wieder annähernd das Tempo vom vorigen Jahr laufen kann. Und, ….wird es mir überhaupt noch gelingen?

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